Singender Ruefer, Biene-Maja-Orlik und Töffli-Action

Super10Kampf in Zürich – 31. Oktober 2025

12’000 Zuschauer erleben am Freitagabend die 45. Ausgabe des Super10Kampfs der Stiftung Schweizer Sporthilfe. Das Motto: die 70er-Jahre. Schlaghosen, Plateauschuhe, Töffli, Blumenmuster und mittendrin 24 Schweizer Sportstars, die sich in sechs Teams in Disziplinen wie «Flower Power», «Roller-Disco» oder «Töfflibuebe» messen.

Moderator Ruefer in Hochform

Schon im Vorprogramm bringt Sascha Ruefer die Halle zum Beben. Er singt das «Vogellisi» und jodelt mit 12’000 Fans, ehe er seinem Sohn Matti auf der Bühne sagt: «Wir sehen uns nicht oft, deshalb bedeutet mir das heute sehr viel.» Zusammen mit Co-Moderatorin Tina Weirather führt Ruefer mit viel Witz und Emotionen durch den Abend. Schiedsrichter Franco Marvulli sorgt wie immer für klare Linien und noch klarere Sprüche.

Einlauf mit Show-Einlagen

Der Einmarsch der Teams ist bereits Spektakel pur. Team Hellblau mit Schwingerkönig Armon Orlik bekommt den lautesten Applaus, auch wenn der König beim Tanz etwas aus dem Takt gerät. Team Orange um Olympiasieger Ryan Regez begeistert mit einer perfekten Choreo, Snowboarder Jonas Hasler aus Team Dunkelblau landet einen Backflip, und Team Gelb übertrifft alle mit akrobatischem Übersprung.

Blumenchaos bei «Flower Power»

Im ersten Spiel müssen Blumen gesammelt und an die Fans verteilt werden. Team Hellblau startet stark, doch Orliks Power wird zum Problem: Er wirft Teamkollege Livio Hiltbrand kurzerhand aus der Schubkarre. Trotzdem reichts knapp zum Sieg vor Team Weiss. In der zweiten Runde triumphiert Team Gelb um Stabhochspringerin Angelica Moser, während Squash-Ass Dimitri Steinmann (Orange) völlig entkräftet in den Seilen hängt.

Stuhlklau bei der «Roller-Disco»

Rollschuh-Action im 70er-Stil! Auf den Rollbahnen liefern sich die Stars ein wackliges Rennen, beim Musikstopp müssen sie blitzschnell auf Stühle springen. Simon Ehammer und Nicolas Huber liefern sich ein hartes Duell um den letzten Platz, Ehammer setzt sich durch, Team Rot jubelt über den Sieg.

Töffli-Action wie früher

Dann wirds laut: Beim «Töfflirennen» knattern die Mini-Motoren durchs Hallenstadion. Samuel Giger fährt das Rennen seines Lebens, Team Dunkelblau gewinnt. Ryan Regez sorgt für Showeinlagen, Livio Hiltbrand springt über die Schanze und Nicolas Huber kracht mitten in den Tunnel. Ganz im Stil der 70er.

Kraftakt beim «Zauberwürfel»

Ein riesiger Rubik’s Cube muss in Teamfarben beklebt werden. Ehammer turnt wie ein Artist auf dem Würfel, Orlik und Giger wuchten die Kanten mit purer Muskelkraft. Team Orange mit Ryan Regez hat am Ende das beste Timing und gewinnt vor Dunkelblau. Danach versuchen Regez und OL-Star Simona Aebersold echte Zauberwürfel zu lösen – erfolglos, aber mit viel Witz.

Orlik als Biene Maja, Giger als Wickie

In «TV-Mania» schlüpfen die Athletinnen und Athleten in Kultrollen: Armon Orlik als Biene Maja, Samuel Giger als Wickie – das Publikum tobt. Bälle müssen aus dem Publikum gefangen und weitergegeben werden, am Ende liegen Rot, Gelb und Weiss punktgleich vorne. Der heimliche Sieger des Spiels: Biene-Maja-Orlik.

Standing Ovations für Nino Schurter

Für Gänsehaut sorgt Mountainbike-Legende Nino Schurter. Der Olympiasieger wird für seine Karriere geehrt, das ganze Hallenstadion steht, minutenlanger Applaus, Tränen inklusive. «Fühlt sich noch nicht nach Pension an», sagt Schurter und verkündet, dass er künftig im Stiftungsrat der Sporthilfe mitarbeitet.

Rekord-Check für die Sporthilfe

Mitten in der Show überreicht die Stiftung Sportförderung Schweiz einen Rekordbetrag über 9,65 Millionen Franken an die Stiftung Schweizer Sporthilfe. Josef Dittli (Swisslos) und Paolo Beltraminelli (Loterie Romande) übergeben den symbolischen Check an Bernhard Heusler und Steve Schennach.

Spannung pur in den Finals

In den Halbfinals liefern sich Dunkelblau, Orange, Gelb und Rot packende Duelle, während Weiss und Hellblau ausscheiden. Gelb setzt sich knapp gegen Dunkelblau durch, Orange gewinnt gegen Rot. Im Final trifft Orange auf Gelb – und setzt sich nach erbittertem Kampf im «Gladiator»-Spiel durch. Coach Heinz Frei feiert damit seinen zweiten Super10Kampf-Sieg in Folge.

Publikumsliebling Samuel Giger

Schon vor dem letzten Spiel steht ein Gewinner fest: Samuel Giger wird bereits zum zweiten Mal zum «The Gladiator 2025» gewählt. «Ich weiss nicht, warum ich gewonnen habe, vielleicht wegen meiner Taktik», sagt er lachend – der Helm ist ihm wieder einmal deutlich zu klein.

Fazit

Der Super10Kampf 2025 hat einmal mehr alles geliefert, was ihn zum Kult-Event macht: packende Wettkämpfe, unterhaltsame Showeinlagen und jede Menge Emotionen. Im Zentrum stehen nicht nur die Athletinnen und Athleten, sondern auch die Arbeit der Schweizer Sporthilfe, die seit 55 Jahren Schweizer Spitzensportlerinnen und Spitzensportler unterstützt. Wer das Spektakel verpasst hat, kann die Sendung am 29. November um 20.10 Uhr auf SRF 1 nachgucken.

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Krebsrückfall – wieder OP bei Bob-Anschieberin Gloor

Aber sie trainiert schon wieder für Olympia – 30. Oktober 2025

Als Blick Michelle Gloor (24) im August traf, war sie voller Energie. Die Bob-Anschieberin hatte nach einer schweren Zeit wieder in Tritt gefunden – nach Operation, Chemotherapie und Monaten der Reha war sie zurück im Training, fokussiert auf ihr grosses Ziel: Olympia 2026. Damals sagte sie: «Ich fühle mich so gut wie am Tag vor der Erkrankung.» Gloor war wieder auf dem Weg nach oben, die Kraft, der Wille, die Lebensfreude – alles war zurück.

Doch nur wenige Wochen später kam der Rückschlag. Im Sommer spürte sie plötzlich eine Verhärtung im Bauch. «Ich dachte, ich gehe das einfach mal zeigen – sicherheitshalber», erzählt sie in einem weiteren Gespräch mit Blick. Was als Routinekontrolle begann, wurde zur ernüchternden Nachricht: Im MRI und CT zeigte sich, dass erneut etwas nicht stimmte. «Das Resultat war leider nicht so gut. Dann war klar, dass ich nochmals operiert werden muss.»

Ende August wurde Gloor im Kantonsspital Aarau erneut am Bauch operiert. «Die Operation dauerte knapp drei Stunden», sagt sie ruhig – so, wie es nur jemand kann, der schon einmal durch die Hölle gegangen ist.

Drei Wochen nach der Operation wieder im Training

Von Schonzeit keine Spur: Sechs Tage nach dem Eingriff durfte Gloor das Spital verlassen, halb so lange wie nach der ersten Krebs-OP. Nach drei Wochen startete sie wieder mit leichtem Training. «Ich konnte mich sehr rasch erholen», sagt sie. Beine, Arme, ein bisschen Bewegung, alles ausser dem Rumpf und der Bauchregion. Vier Wochen später stemmte sie bereits wieder Gewichte. «Seit einer Woche kann ich wieder voll trainieren.»

Jetzt absolviert sie im Trainingslager in Lillehammer (Nor), wo die besten Teams der Welt ihre ersten Fahrten der Saison absolvieren. «Es läuft echt gut. Diese Woche hatte ich meine erste Bobfahrt seit der Operation – ohne Schmerzen», erzählt sie mit einem Lächeln. «Ich habe zwar ein paar Kilo verloren, aber beim Anschieben war die Zeit überraschend gut. Das zeigt mir: Es ist noch alles möglich.»

Olympia bleibt das grosse Ziel – trotz Rückschlag

Im November und Dezember stehen für Gloor zwei Weltcuprennen an, in Innsbruck und Lillehammer. «Ich werde wohl als Ersatz mitgehen. Aber das reicht fürs Erste. Ich bin wieder dabei.» Der Rückschlag kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, doch an Aufgeben denkt sie keine Sekunde. «Es ist jetzt sicher schwieriger geworden, aber unmöglich ist es nicht.»

Ihre Kette mit den olympischen Ringen trägt sie weiterhin jeden Tag. «Sie erinnert mich daran, wofür ich kämpfe.» Der Rückschlag habe sie zwar kurz verunsichert, aber nicht gebremst. «Ich versuche, das Positive zu sehen. Ich bin wieder auf der Bahn – das ist, was zählt.» Während in Lillehammer Nebel und Matsch den Eiskanal umhüllen, kämpft Michelle Gloor um ihren Platz bei Olympia in Cortina.

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Ehrliche Worte von SRF-Hofmänner zu seinem Job

«Das wäre eine unfassbare Anmassung» – 23. Oktober 2025

Wenn im Ski-Zirkus ein Schweizer triumphiert oder ein Schwingerkönig gekrönt wird, ist sie da: die Stimme von Stefan Hofmänner (58). Blick traf den SRF-Routinier in Bern und schnell wird klar: Der Mann hinter dem Mikrofon lebt seinen Beruf als Berufung. Ohne Eitelkeit, ohne Show.

Hofmänner, der in seiner Karriere über 30 Sportarten kommentiert hat, sieht sich nicht als Star, sondern als Diener des Sports. «Die Bühne gehört den Athleten. Ich bin der Beleuchter der Bühne», sagt er bestimmt. Er wolle Emotionen transportieren, nicht sie erzeugen. «Ich stehe nicht auf der Bühne und ziehe eine ‹Show› ab. Das wäre eine unfassbare Anmassung.»

Diese Haltung zieht sich durch seine ganze Laufbahn. Hofmänner versteht sich nicht als Entertainer. Sondern als Chronist, einer, der beobachtet, einordnet, erklärt. «Darum kann ich mit wunderbarer Bescheidenheit Beleuchter sein. Und dann finde ich das edel.»

Die Verantwortung des SRF-Gesichts und die Angst um den Job

Trotz seiner Bodenständigkeit ist Hofmänner längst eine der bekanntesten Stimmen der Schweiz – eine Popularität, die ihn freut, aber auch belastet. «19 von 20 Mal ist es positiv. Leute kommen, sagen: ‹Danke vielmals, ich höre so gerne zu.› Das tut gut», sagt er. Doch Ruhm hat auch Schattenseiten.

«Ich kann manchmal nicht einfach ich selbst sein», sagt Hofmänner. Durch die vielen Skirennen, an denen die Schweizer derzeit so erfolgreich sind, und die Schwingfeste, bei denen er ebenfalls immer öfters vor der Kamera im Einsatz steht, sei sein Wiedererkennungsgrad enorm gestiegen. «Egal, wo ich auftauche, ich bin immer auch SRF. In den Augen der Leute bin ich SRF. Diese Verantwortung spüre ich und trage ich auch.»

Um dem damit verbundenen Stress zu entgehen, zieht er sich öfter zurück. «Ich bin heute mehr zu Hause als früher.»

In Zeiten von Spardruck und Massenentlassungen beschäftigt ihn die Zukunft seines Senders. Die 200-Franken-Initiative, die die Gebühr für die SRG halbieren will, bereitet ihm Sorgen: «Unser Publikum müsste auf viele geschätzte Sendungen verzichten. Diese Perspektive schmerzt mich.»

Mit so drastisch reduziertem Budget könne die SRG ihren Auftrag nicht mehr erfüllen, sagt er: «Im Falle einer Annahme der Halbierungsinitiative würde das Budget der SRG so stark reduziert, dass die Politik den Auftrag an die SRG neu formulieren müsste. Den Service public in seiner heutigen Form könnten wir nicht mehr bieten.»

Zwar steht er klar hinter dem SRG-System, dem Solidaritätsgedanken, der Vier-Sprachen-Vielfalt. Doch er versteht auch, warum private Anbieter wie Blue Sport oder MySports für viele Kolleginnen und Kollegen attraktiv werden.

KI, Leidenschaft und die Stille des Enzianstechens

Kommentieren ist für Hofmänner kein Job, sondern Passion. Moderieren? «Nein danke. Das sind zwei komplett verschiedene Welten», sagt er. «Ich liebe das Eintauchen, die Vorbereitung, die Analyse.»

Er schwärmt von der Vielfalt seines Berufs: «Es ist faszinierend, wie unterschiedlich die Sportarten ticken. Was jede Einzelne fordert. Und die Athleten in kleinen Sportarten sind oft tausendmal dankbarer.»

Doch auch ihn beschäftigt die Zukunft. Künstliche Intelligenz beobachtet er mit Skepsis: «Ich habe KI noch nie bewusst genutzt. Ich sehe Vorteile sowie auch Nachteile.»

Sein persönlicher Ausgleich liegt weit weg von Mikrofon und Medienstress. In den Bergen, beim Enzianstechen im Simmental. Gemeinsam mit dem Partner seiner Mutter sticht er dort die geschützte gelbe Enzianwurzel für den kräftigen Schnaps. «Das ist ein Leben ohne Luxus, aber voller Ehrlichkeit. Rein, klar, hart und schön», sagt Hofmänner.

Oben auf der Alp, wo kein Empfang und kein Druck herrschen, findet er zu sich: «Wenn ich dort bin, komme ich zur Ruhe. Das ist so schön.»

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«Da kamen mir die Tränen»

Giulia Steingruber feiert Schweizer Bronze-Coup bei Kunstturn-WM – 23. Oktober 2025

Die ehemalige Weltklasse-Turnerin Giulia Steingruber (31) erlebte live in der Halle, wie Noe Seifert (26) Schweizer Kunstturn-Geschichte schrieb. Die Medaille im Mehrkampf an der WM in Indonesien – die erste seit 75 Jahren – bewegte auch sie zutiefst. «Als klar war, dass Noe auf dem Podest steht, standen mir die Tränen in den Augen», sagt Steingruber im Gespräch mit Blick. «Ich habe mich unglaublich für ihn gefreut und auch, weil ich selber weiss, wie sich dieser Moment anfühlt.»

«Er hat das so verdient»

Steingruber sitzt beim Wettkampf auf der Tribüne, schwitzt in der tropischen Hitze Jakartas und fiebert mit. «Er war von Anfang an die Ruhe selbst. Er hat einfach sein Programm abgespult, mit einer Coolness, die mich extrem beeindruckt hat», schwärmt die sechsfache EM-Medaillengewinnerin. Noe Seifert, so sagt sie, sei «kein lauter Typ». «Er ist ruhig, arbeitet hart, macht sein Ding. Aber er hat genau die richtige Balance zwischen Anspannung und Lockerheit gefunden. Das war stark.»

Dass die Schweiz so lange auf eine Mehrkampf-Medaille warten musste, macht die Leistung für sie noch spezieller: «Das ist mehr als historisch. So etwas haben wir im Schweizer Kunstturnen seit Generationen nicht erlebt. Und ganz ehrlich: Ob nach einem Olympia-Jahr ein paar «Topcracks» fehlen, spielt keine Rolle. Eine WM-Medaille ist eine WM-Medaille, und die hat er sich mehr als verdient.»

Steingruber sieht Seifert als Inspiration

Steingruber weiss, wie viel so ein Erfolg bewirken kann. Sie selbst hatte 2017 in Montreal (Ka) WM-Bronze geholt, ein Moment, der ihr Leben veränderte. «Ich hatte damals ein neues Gewändchen an, mit einem pinken Kragen. Es war eigentlich eine Fehlproduktion, und plötzlich wollten alle Mädchen genau diesen Dress. Die Marke hatte es gar nie im Sortiment», erinnert sie sich lachend. «Das war herzig und zeigt, wie viel Einfluss ein Erfolg haben kann.»

Genau das, glaubt sie, werde nun auch Seifert auslösen. «Er wird viele junge Turner inspirieren. Er ist ein Vorzeigetalent, ein Vorzeigeturner. Jetzt kann er die Aufmerksamkeit geniessen.»

«Es ist schön, wieder diese Positivität zu spüren»

Steingruber ist als ehemalige Athletin derzeit in Jakarta, weil sie sich für die Athletenkommission des Weltturnverbands beworben hatte. Die Wahl klappte zwar nicht, «aber ich darf jetzt eine Woche lang hautnah dabei sein».

Sie spricht ruhig, aber mit spürbarer Begeisterung. «Ich bin froh, heute auf der Tribüne zu sitzen», sagt sie und lacht. «Mein Kopf wüsste wohl noch, wie es geht, aber mein Körper ist froh, dass er Ruhe hat.»

Und trotzdem: Das Kribbeln ist da. «Es ist einfach schön, zu sehen, dass das Schweizer Turnen wieder diese Positivität ausstrahlt. Dass wir zeigen können: Wir gehören zur Weltspitze.»

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Erst ein Schnuppertag brachte unseren Bronze-Helden zum Turnen

So tickt Kunstturner Noe Seifert – 23. Oktober 2025

Vom kleinen Turnverein im Kanton Aargau bis aufs WM-Podest in Jakarta: Noe Seifert (26) hat etwas geschafft, worauf die Schweiz 75 Jahre gewartet hat.

Seine Bronzemedaille im Mehrkampf ist nicht nur historisch, sie ist das Symbol einer neuen Ära im Schweizer Kunstturnen. Blick stellt dir den Mann vor, der Geschichte geschrieben hat.

Familie und Rückhalt

Noe Seifert wächst in Oftringen AG in einem bodenständigen, sportlich aktiven Umfeld auf. Er hat zwei Brüder, die ebenfalls turnten oder noch turnen: Luca (28) arbeitet bei der Post und absolvierte eine Ausbildung als Automatiker, während Jan (24) noch zu Hause lebt und Elektriker ist. Vater Ronny (55) ist Vermessungszeichner, Mutter Karin war früher bei der Post angestellt und arbeitet heute in Schulen. Auch Onkel Micha Seifert (51), der eine Schreinerei in Strengelbach AG besitzt, hat Noes Turnkarriere verfolgt: «Noe war schon als Kind aufgeweckt. Mit etwa sechs Jahren ist er bei Testtagen des Turnvereins einfach mal hingegangen. Schon da hat man gemerkt, dass er Talent hat. Er ging immer selbständig mit den ÖV nach Niederlenz, um zu trainieren. Dabei hat er Schule, Turnen und Hausaufgaben perfekt kombiniert.» Die Familie begleitet Noe noch heute aktiv: Beim WM-Coup in Jakarta (Ind) war sie vor Ort.

Zwischen Barren und Büro

Neben der Turnhalle hat Seifert auch im Berufsleben Bodenhaftung bewiesen. Er absolvierte seine kaufmännische Lehre beim Bundesamt für Sport (BASPO) in Magglingen BE und arbeitet dort heute weiterhin im Verwaltungsbereich des Schweizer Spitzensports. Wenn er nicht trainiert, entspannt er gerne mit Lego, spielt Ping-Pong oder zieht ein Schachspiel auf, um den Kopf frei zu bekommen. Seifert ist ein ruhiger Typ und verfügt über einen unerschütterlichen inneren Antrieb.

Der stille Arbeiter mit Nerven aus Stahl

«Er ist so ruhig … mit einer Coolness, würde ich fast schon sagen, spult er sein Zeug runter», sagt Ex-Turnstar Giulia Steingruber (31). Diese Gelassenheit zeigte sich auch an der WM in Jakarta: Seifert turnte an allen sechs Geräten nahezu fehlerfrei und erzielte am Pauschenpferd die Bestnote des Abends. Wo andere zögern, bleibt er konzentriert. Sein Erfolgsrezept: keine Show, nur Leistung.

Der Lohn für jahrelange Arbeit

«Am Boden ist es sehr gut gelungen, ich war nicht nervös, weil ich als Aussenseiter gestartet bin», sagte Seifert nach dem historischen Coup. «Dass es so gut kommt, ist nicht selbstverständlich.» Hinter der ruhigen Fassade steckt eiserne Disziplin: Bei der EM in Leipzig hatte Seifert als bester Schweizer Turner die Qualifikation im Mehrkampf noch dominiert, doch im Final kam er nicht über den sechsten Rang hinaus. Enttäuscht analysierte er die Fehler, arbeitete akribisch an Technik und Präzision und trainierte gezielt, in entscheidenden Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren. Eine Vorbereitung, die sich in Jakarta auszahlte.

Ein Vorbild für die nächste Generation

Seiferts Erfolg ist mehr als eine Medaille – er ist ein Signal. Für die jungen Turnerinnen und Turner im Land, die sehen, dass Weltklasse auch aus der Schweiz kommen kann. «Er ist ein Vorzeigeturner», sagt Steingruber. «Die Aufmerksamkeit, die er jetzt bekommt, hat er sich hart erarbeitet und sie wird viele motivieren.»

«So etwas haben wir noch nie erlebt»

Schweizer WM-Coup im Mehrkampf – 22. Oktober 2025

Jakarta (IND) erlebt einen historischen Moment: Noe Seifert (26) gewinnt sensationell Bronze im Mehrkampf der Kunstturn-WM, die erste Schweizer Medaille in der Königsdisziplin seit 75 Jahren. Teamkollege Florian Langenegger (22) sichert sich Platz zehn und komplettiert ein historisches Schweizer Top-10-Ergebnis.

«Am Boden ist es sehr gut gelungen, ich war nicht nervös, weil ich als Aussenseiter gestartet bin. Am Sprung hatte ich ein bisschen Stress, aber es ist aufgegangen. Und am Reck? Schwierig zu sagen, aber am Schluss hat es funktioniert», berichtet Seifert aus Jakarta. «Ich danke allen, die mich auf dem Weg begleitet haben. Dass es so gut kommt, ist nicht selbstverständlich.»

Die Belohnung harter Arbeit

Für David Huser, Chef der Schweizer Olympischen Mission, ist Seiferts Erfolg das Resultat jahrelanger Arbeit und Erfahrung: «Wir wussten, wenn er einen Bomben-Wettkampf zeigt, ist einiges möglich, aber so etwas haben wir noch nie erlebt. Es hat eine Top-Leistung gebraucht, aber diese Medaille ist hochverdient», erklärt Huser gegenüber SRF.

Huser hebt vor allem Seiferts mentale Stärke hervor: Nach enttäuschenden Mehrkampf-Ergebnissen bei der EM in Leipzig und beim Weltcup in Paris habe der Aargauer die Rückschläge analysiert, trainiert und gelernt, unter Druck seine Nerven zu behalten. «Es zeigt, dass unser Trainerteam und die Strukturen im Hintergrund hervorragend funktionieren», so Huser.

Starke Leistungen an allen Geräten

Seifert glänzt in Jakarta an allen sechs Geräten. Besonders am Pauschenpferd erzielt er mit 14,000 Punkten die Top-Note aller Finalisten. Auch Boden (13,866), Ringe (13,066), Sprung (13,733), Barren (14,066) und Reck (14,100) meistert er souverän. Langenegger sichert sich als zweiter Schweizer Turner Platz zehn mit 79,599 Punkten.

«Das Team hat einen hervorragenden Job gemacht», sagt Seifert. «Wir dürfen wirklich stolz sein.» Huser ergänzt: «Dieser Erfolg ist ein Signal für die nächste Generation, es zeigt, dass die Schweiz in der Königsdisziplin Weltspitze sein kann, wenn alle Beteiligten hart arbeiten.»

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«Ich weiss nicht, ob ich dort überhaupt noch fahre»

Hat Rad-Weltmeisterin Reusser Olympia-Gold abgehakt? – 28. Oktober 2025

Marlen Reusser (34) blickt auf ihr bislang erfolgreichstes Jahr zurück. Sieg an der Tour de Suisse, Podestplätze bei Giro und Vuelta, dazu die Goldmedaille an der WM, sportlich lief fast alles perfekt. «Es war eine supercoole Saison», sagt sie im Gespräch mit Blick.

Ganz ohne Rückschläge ging es aber nicht. Immer wieder musste sie krankheitsbedingt pausieren. Reusser fühlte sich in der Berichterstattung teilweise unfair behandelt: «Es hiess, ich sei ständig krank oder hätte chronische Probleme. Das stimmte nicht.»

Sie erklärt: «Am Giro hatte ich eine Magen-Darm-Infektion, vor der Tour de France etwas Schlechtes gegessen, später kam eine Grippe. Alles Dinge, die jedem passieren können. Aber daraus wurde ein Dauerproblem gemacht.»

Zeitfahren – zwischen Faszination und Qual

Reusser gilt als eine der besten Zeitfahrerinnen der Welt – was sie mit dem WM-Triumph in Kigali eindrucksvoll unterstrich. Doch die Disziplin ist für sie Fluch und Segen zugleich. «Ein gutes Zeitfahren bedeutet, dass du extrem an die Grenze gehst. Es ist ein Kampf mit dir selbst – das macht es speziell, aber nicht unbedingt angenehm», sagt sie. Was Reusser fasziniert, ist die Herausforderung dahinter: «Das WM-Zeitfahren dieses Jahr hat mich sieben Leben gekostet.»

Künftig will sie gezielter auswählen: «Ich kann mir vorstellen, mal ein Zeitfahren auszulassen. Ich stelle mich dieser Herausforderung gerne, aber ich will das nicht noch 25 weitere Male in meinem Leben machen.»

Olympia bleibt offen

Die Goldmedaille bei Olympia fehlt ihr noch. In Paris 2024 war sie krank, in Los Angeles 2028 wäre sie 37. «Natürlich ist das im Kopf», sagt Reusser. «Aber ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob ich dort überhaupt noch fahre. Es wäre eine unglaubliche Herausforderung, doch ich muss mich noch entscheiden, ob ich sie annehmen will.»

Druck verspürt sie keinen: «Ich glaube, ich könnte gut alt werden, ohne dass ich die Goldmedaille bei Olympia habe. Vielleicht denke ich in fünf Jahren: ‹Mist, hättest du das noch gemacht› – aber im Moment bin ich völlig im Reinen.»

Kurze Pause, keine Ferien

Die Off-Season fällt bei Marlen Reusser kurz aus, aber bewusst gestaltet aus. «Ich bewege mich gerne, aber ich kann gut loslassen. Ferien im klassischen Sinn mache ich keine, aber ein paar Tage ohne Rad tun gut.»

Ganz untätig bleibt sie dennoch nicht: «Ich gehe an eine Hochzeit in Italien, treffe Familie und Freunde – das ist für mich Erholung.» Langsam richtet sich der Blick auch wieder nach vorn. «Ab dem 9. November steige ich wieder ins Training ein. Ich bin motiviert, aber ich weiss auch, dass ich das nicht ewig machen will.»

Was danach kommt, lässt sie offen. «Ich habe viele Interessen. Vielleicht wieder etwas in der Medizin, vielleicht ganz etwas anderes. Es wird mir bestimmt vieles einfallen.»

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Superstar Bolt lobt in Zürich Gold-Kambundji

«Perfektes Rennen» – 19. September 2025

Strahlender Spätsommer-Tag auf dem Zürichberg: Vor dem Dolder Grand leuchtet der Himmel in sattem Blau, die Abendsonne glitzert auf dem grünen Teppich. Stars aus Sport und Showbusiness flanieren lässig vorbei. Schwergewichtsboxer Anthony Joshua (35), Entertainer James Corden (47) und zahlreiche Olympiasieger geben sich die Ehre. Doch als Usain Bolt (39) auftaucht, zieht er alle Blicke auf sich. Der schnellste Mann der Welt nimmt sich Zeit, scherzt mit Journalisten und Gästen, plaudert locker über sein Leben nach der Karriere. «Wenn die Sonne scheint, bin ich da. Das ist mein bestes Wetter – und es wird immer das beste bleiben», sagt er mit einem breiten Grinsen.

Bolt geniesst das Leben nach der Karriere

Der Jamaikaner kennt Zürich gut, schwärmt von früheren Rennen an der Weltklasse. «Eine meiner besten Erinnerungen ist ein 4×100- Meter-Rennen, als ich meinen Freund Wallace Pearman jagte und ihn dabei noch neckte. Zürich war immer gut zu mir.» Auch als DJ stand er hier schon hinter den Plattentellern. Heute reist Bolt um die Welt, macht Promotionstermine von Indien bis Tokio und kümmert sich um seine Familie. «Ich habe jetzt Kinder und alles läuft gut. Ich kann mich nicht beklagen», erzählt er. Trainiert hat er zuletzt wenig – eine Achillessehnenverletzung bremste ihn. «Aber wenn ich nach Jamaika zurückkomme, starte ich wieder mit Workouts. Im Moment geniesse ich das Reisen und die Arbeit.»

Klare Worte an Fred Kerley

Dann wird er ernst: Thema? Fred Kerley (29). Der US-Sprinter will bei den umstrittenen Enhanced Games 2026 in Las Vegas den Weltrekord von Bolt knacken – ein Event ohne Dopingkontrollen. Bolt reagiert unmissverständlich: «Nein, das ist nicht der Weg. Wenn du gross sein willst, musst du es richtig machen.» Für ihn zählt allein saubere Leistung. «Ich glaubte an die Arbeit meines Coaches, an die Opfer, die ich brachte. Wenn du rausgehst und ausführst, was du trainiert hast, dann passt es.»

Ob ihn die Jagd auf seine Rekorde nervös macht? Bolt winkt ab: «Keine Sorgen. Ich hatte meine Zeit, jetzt haben andere ihre Chance – aber sie müssen es sauber tun.»

Blick auf die Schweiz

Auch den jüngsten Triumph von Ditaji Kambundji, die in Tokio sensationell Gold holte, würdigt Bolt ausführlich. «Das war ein perfektes Rennen, absolut verdient», sagt er mit sichtlichem Respekt. «Sie hat gezeigt, dass man immer an sich glauben muss, grossartige Leistung.»

Nach dem offiziellen Teil bleibt Bolt bei den Gästen stehen, beantwortet Fragen der Medien, erzählt Witze, hört zu. Keine Spur von Hektik, vielmehr der Charme eines Mannes, der nichts mehr beweisen muss. Der achtfache Olympiasieger wirkt angekommen, entspannt, witzig, ganz der Showman, der einst die Welt im Sprint eroberte. Seine Botschaft an Fred Kerley und alle Herausforderer hallt durch den Abend: «Wer wirklich gross sein will, muss es sauber tun.»

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Brustkorb von Olympia-Held wurde mit 18 Schrauben geflickt

Jan Scherrer nach seltener Brustverletzung zurück in der Luft – 6. Oktober 2025

Er steht wieder oben auf dem Berg und im Leben. Fast ein Jahr lang musste Jan Scherrer (31) zuschauen, während andere die Halfpipes dominierten. Der Toggenburger holte 2022 in Peking Olympiabronze, dann stoppte ihn ein schwerer Sturz im Training brutal.

Die Diagnose Ende Oktober 2024: komplizierter Bruch des Rippenknorpels, dazu gebrochene Rippen. Zwei Metallplatten und 18 Schrauben waren nötig, um den Körper des Halfpipe-Spezialisten wieder zusammenzufügen. «So etwas sieht man fast nie», sagt er. «Ich musste lange suchen, bis ich Ärzte fand, die das überhaupt behandeln konnten.»

Geduld als neues Talent

Im Gespräch mit Blick verrät er: «Die Regeneration hat viel länger gedauert, als ich gedacht hatte. Den ganzen Frühling bis im Juni machte ich nur kleine Fortschritte.» Geduld musste er lernen: «Ich war in den letzten zwei Jahren insgesamt 16 Monate verletzt. Das zwingt dich dazu, runterzufahren.»

Monatelang stemmte er Gewichte im Kraftraum, joggte einsam durch den Wald. Trampolin oder Skateboard? «Tabu», sagt er und lacht. Seit Ende August geht es für Scherrer endlich wieder bergauf. «Ich bin bei etwa 90 Prozent. Wenn ich mich nicht gut fühle, höre ich auf das Gefühl. Da ist die Routine, die mit dem Alter kommt.»

Sprünge ins Luftkissen

Im Tiroler Regenerationscamp fliegt Scherrer wieder. «Dort gibt es ein spezielles Luftkissen, ideal für die Vorbereitung, bevor wir auf den Schnee gehen», erklärt er. Drei Stunden pro Tag trainiert das Schweizer Halfpipe-Team, das rund zehn Fahrer umfasst. «Nach zehn Monaten Physio tut es gut, den Fokus wieder auf den Sport zu legen und nicht nur auf die Erholung.»

Hat er Angst, mit den Sprüngen wieder richtig loszulegen? «Vor dem Training denke ich manchmal, es könnte wieder etwas passieren», gibt er zu. «Aber sobald ich auf dem Schnee bin, vergesse ich alles.»

Olympia im Visier

Sein Ziel ist klar: Olympia 2026 in Mailand/Cortina. «Ich will am Start stehen», sagt er ohne Zögern. Zunächst muss er sich über die Saison qualifizieren. Nach fünf Wochen Training in Saas-Fee will er ab Ende November wieder an Wettkämpfen teilnehmen.

Konkrete Platzierungsziele formuliert er bewusst nicht: «Ich bin überzeugt, dass ich immer noch grosse Dinge erreichen kann. Natürlich will ich in den Final und meinen besten Run zeigen. Ob es für die Top Drei oder Top Acht reicht, lasse ich offen.» Es könnten seine letzten Spiele sein. «Es kann gut sein, dass Olympia der Schlusspunkt meiner Karriere wird. Aber sicher nicht der letzte grosse Event.»

Gelassenheit statt Druck

Die Verletzung hat Scherrer verändert. «Letztes Jahr habe ich den Fehler gemacht, zu sehr auf Ergebnisse zu schauen. Das passiert mir nicht mehr», sagt er. «Meine besten Erfolge kamen immer, wenn ich locker am Start war.»

Wenn Aussenstehende meinen, er solle lieber zurücktreten, kann er nur lachen: «Wenn Leute sagen, Simon Ammann oder Roger Federer hätten früher aufhören sollen, finde ich das lächerlich. Ich halte nichts von einer Bilderbuchkarriere.»

Mehr als Medaillen

Nach Olympia will Scherrer sich neuen Projekten widmen. «Ich möchte ein Videoprojekt in der Halfpipe realisieren, ein kleines Kunstprojekt mit anderen Fahrern», verrät er.

Für den Moment zählt jedoch nur der Spass. «Wenn die Saison völlig in die Hose geht, dann ist das halt so. Solange ich viele Tage auf dem Berg bin und Freude habe, ist alles gut.»

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New-York-Sensation Kym nach Davis-Cup-Desaster ratlos

Schweiz vor Abstieg – 12. September 2025

Es sollte ein Auftakt nach Mass werden, doch Jérôme Kym (22, ATP 155) und Marc-Andrea Hüsler (29, ATP 222) stolpern gegen Aussenseiter Indien. Nach dem ersten Tag liegt die Schweiz überraschend 0:2 zurück. Kym serviert zu Beginn stark, neun Asse alleine im ersten Satz. Lange wirkt es, als habe der Aargauer die Partie im Griff. Doch Dhakshineswar Suresh (25, ATP 616) kontert, bringt seinen Service durch, während Kym seine Chancen liegenlässt. Sieben Breakmöglichkeiten hat der Schweizer insgesamt – keine nutzt er. Im Tie-Break gibt er nach 2:0-Führung die Kontrolle ab. «Mein Gegner war heute sehr, sehr gut», sagt Kym danach enttäuscht.

Im zweiten Satz dasselbe Bild: Kym dominiert die Aufschlaggames, wirkt aber im Return zu passiv. Beim Stand von 3:4 verliert er den Service zu null, Suresh verwertet den zweiten Matchball mit einem Ass. «Heute lief es unglücklich. Am Ende des Tages ist es ein Tennismatch und jedes Spiel beginnt bei null.»

Noch in New York spielte sich Kym an den US Open in die 3. Runde und auf Platz 155 der Welt. Nun steht er in Biel ratlos da. «Nach so einem Turnier in Amerika ist es wichtig, den Weg nicht zu verlieren. Ich nehme den Punktverlust auf meine Kappe», erklärt er. Kritische Worte, die zeigen: Der 22-Jährige weiss, dass er als Leader liefern müsste – gerade in Abwesenheit von Leandro Riedi.

Druck auf die Schweiz wächst

Rund 700 Zuschauer feuern Kym in der Bieler Arena zwar lautstark an, doch die Überraschung ist perfekt: Kym verliert, der Debütant aus Indien holt den Sieg. Für die Schweiz bedeutet dies ein frühes Zittern um den Verbleib in der World Group I. «Es kommt jetzt darauf an, wie wir die Sache angehen. Wir haben immer noch die Chance auf eine Sensation», sagt Kym kämpferisch.

Nach der zweiten Niederlage des Tages von Marc-Andrea Hüsler gegen Sumit Nagal (28, ATP 290) steht die Schweiz bereits mit dem Rücken zur Wand. «Ich habe am Anfang ziemlich mit der Nervosität gekämpft», gibt Hüsler zu. Am Samstag müssen Stricker und Co. liefern, sonst droht der Absturz in die Zweitklassigkeit.

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Schweizer Ultraläufer rennt 373 Kilometer nonstop

Von St. Gallen nach Genf – Weltrekord! – 10. September 2025

Dominik Kelsang Erne (44) hat Geschichte geschrieben: In unter 58 Stunden lief der Schweizer Ultraläufer von St. Gallen bis Genf – 373 Kilometer nonstop. Weltrekord!

Der Erfolg nach den Strapazen ist für Erne eine besondere Genugtuung: Im März musste er bei seinem ersten Versuch in Fribourg aufgeben. «Damals hatte ich Fieber. Bei einem normalen Rennen wäre ich einfach nicht gestartet, aber bei diesem Projekt waren so viele Leute involviert, das konnte ich nicht abblasen», erzählt Erne gegenüber Blick.

Für den zweiten Versuch hielt er den Kreis diesmal klein: Nur fünf Personen wussten von seinem Plan. «Ich wollte es einfach schaffen. In meinem Kopf wusste ich immer: Es klappt.»

Die Vorbereitung war hart. Im Vorfeld hatte sich Erne bei einem Speed-Training nach einem Sturz die linke Seite aufgeschürft und sich anschliessend nicht richtig erholt. Zwei Wochen später passierte im Wald ein Misstritt, der ihn erneut zum Trainingsstopp zwang. «Statt 100 bis 150 km pro Woche kam ich nur noch auf 40.»

Minuziöse Vorbereitung

Der Rekordlauf verlangte nicht nur körperliche Ausdauer, sondern auch mentale Stärke. «Wenn man Schmerzen hat, helfen zwei Dinge: auf die Atmung achten und im Hier und Jetzt bleiben, sowie Kohlenhydrate und Salztabletten. Schmerzmittel nehme ich nie, das wäre unfair», erklärt der sechsfache Schweizer Meister im Ultralauf.

Bei Ernes Versuch wurden Essen, Schlaf und Pausen minuziös geplant: In einem Excel-File wurde auch aufgeschrieben, wann er Schuhe wechseln sollte und wo Gels sowie Getränke zu sich genommen werden müssen. Auch kurze Schlafzeiten wurden vorgängig eingeplant.

Der Dönerladen stillte den Heisshunger

Auf dem Weg nach Olten überkam Erne der grosse Hunger. Allerdings waren alle Läden geschlossen, nur ein kleiner Kebabladen hatte offen. Der Besitzer konnte keine kleine Portion Pasta anbieten, einen Kebab wollte Erne nicht. Also gabs eine Pizza – ein Moment, der ihm noch lange in Erinnerung blieb. «Das hat mir richtig gutgetan und die Energie kam sofort zurück», sagt er.

Kurz vor Lausanne traten dann die schwierigsten Momente des Laufs auf. Erne litt unter Wahrnehmungsstörungen. Er schaute alle zehn Minuten auf sein Handy, weil er dachte, er sei vom Weg abgekommen. Unterstützung erhielt er in dieser Situation unterwegs von Kollegen, die nachts mitliefen, und von seiner Freundin, die mit dem Auto vorausfuhr.

Für Erne mehr als ein Weltrekord

Die Mission hinter dem Lauf war für Erne mindestens so wichtig wie der Weltrekord selbst. Seine Initiative «We Run for Tibet 2025», erinnert an den Volksaufstand vom 10. März 1959. «Es ging nicht nur um mich. Das hat mir in den härtesten Momenten geholfen», erklärt er.

Für die Zukunft plant Erne schon den nächsten Wettkampf: die 24-Stunden-Weltmeisterschaft nahe Toulouse im Oktober. Ziel ist, deutlich mehr als 241 km zu laufen. Wenn er auf die 373 km quer durch die Schweiz zurückblickt, bringt er es so auf den Punkt: «Crazy, mega lang und Erlösung.»

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Siegermuni Zibu ist der sanfte Gigant vom Glarnerland

Zwischen Kuhstall und Königstitel – 24. August 2025

Zwischen steilen Bergen, saftigem Grün und dem dumpfen Echo von Kuhglocken liegt er: der Hornerhof. Etwas ausserhalb von Glarus, dort wo das Tal weit wird und die Hektik fernbleibt, lebt ein Tier, das auf der grössten Bühne des Schwingsports für Staunen sorgen wird: Zibu, der Siegermuni des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Mollis GL.

Bert Horner, der Züchter von Zibu, lebt auf einem Bauernhof, der sinnbildlich für das ESAF steht: gelebte Tradition, Bodenständigkeit, Stolz. Alte Bilder zeigen ihn einst, heute ist er moderner, aber noch immer derselbe – ruhig, funktional, tief in der Glarner Erde verwurzelt.

Im Gespräch mit Blick gibt Horner seltene Einblicke in sein Leben – und das des vielleicht bekanntesten Stiers der Schweiz.

Auch der Ersatz-Muni steht im Stall bereit

Dass der mächtige Muni Zibu ausgerechnet von hier kommt, begann mit einem spontanen Satz. Bei einer Sitzung der Milchgenossenschaft warf OK-Präsident Köbi Kamm in den Raum, dass man das ESAF ins Glarnerland holen möchte. Horner habe damals gesagt: «Ich stelle dir den Stier.» Aus dem Satz wurde ein Versprechen – und dann Realität.

Zibu ist ein Tier aus eigener Zucht. Mutter- und Vatertier standen beide auf dem Hof. Die Linie: selbst aufgebaut, sorgfältig gepflegt. Die Selektion beginnt früh. Ein Schwinger ist Horner nie gewesen – dafür aber ein grosser Fan. Seit 2002 besucht er jedes Eidgenössische. «Ich liebe diesen Sport. Für mich ist das ganze Drumherum einfach eindrücklich.»

Seine Söhne bewirtschaften den Hof. Sein Sohn Peter (37) ist Eidgenosse, jedoch bereits zurückgetreten, der jüngere Sohn Samuel (33) schwingt noch aktiv.

Der Blick in den Stall zeigt: Zibu ist kein Einzelfall. Daneben steht der Ersatz-Muni für das ESAF – ebenfalls ein Prachtsexemplar. Und falls es nötig würde, wäre er bereit. Aber: «Zibu ist gesund und munter», sagt Horner. «Wir hoffen, dass der andere nicht zum Einsatz muss.»

1330 Kilogramm Ruhe

Zibu wiegt heute rund 1330 Kilogramm – eine gewaltige Erscheinung. Als er für die Fotos geputzt wird, bleibt er ruhig stehen. Gelassen. An seiner Seite: Horner und die derzeitige Auszubildende vom Hornerhof. Trotz seiner Masse wirkt der Gigant keineswegs gefährlich. «Er ist sehr menschenfreundlich», erklärt Horner. «Unsere Enkelkinder spielen oft um ihn herum, das macht ihm nichts aus.»

Zibu ist Lärm und Menschenmassen gewohnt. Er war bereits an der Olma, am Sarganser Markt – dort, wo viele Leute nahe an die Tiere kommen. «Er bleibt ruhig. Das ist Gold wert, wenn man weiss, dass er vor 60’000 Menschen in der Arena stehen wird.»

Beim Futter gibts keine Experimente

Auch Kondition ist wichtig: Jahrelang ging Zibu die 30 Kilometer zu Fuss von der Alp – eine Traditionsroute. «Aber dieses Jahr nicht mehr, das Risiko ist zu gross», sagt Horner. Trotzdem bekommt der Muni täglich Bewegung. Im Sommer gibts Heu, im Winter eine Mischung aus Silo und Heu – ergänzt mit einem speziellen Stierfutter. «Das hält ihn fit», so Horner. Eine spezielle Diät? «Nein, einfach gutes Futter – und keine Experimente.»

Zibus Tagesablauf ist entspannt. Er steht im Stall, frisst, döst, wird gepflegt. Ab und zu darf er raus. «Letzten Sommer war er noch die ganze Zeit auf der Alp», erzählt Horner. «Aber jetzt bleiben wir lieber in der Nähe – man weiss nie.»

Der Name Zibu – aus der Käsebüchse

Woher kommt eigentlich der Name Zibu? Klingt exotisch – erinnert an asiatische Rinderrassen. Doch die Herkunft ist regional. «Zibu» ist ein Kunstname der Geska, des Glarner Milchverarbeiters und Muni-Partners des ESAF. Deren bekanntestes und ältestes Glarner Produkt: das Zigerstöckli. Und in der sogenannten Zibubüchse vereinen sich diverse Spezialitäten. «So ist der Name entstanden – als Kombination aus Tradition und Markenpartner.»

Die Taufpaten? Vreni Schneider, die Skilegende, und Eugen «Geni» Hasler, der 101-fache Kranzgewinner. Doch die Besuche sind selten. Horner lächelt und sagt: «Ich finde, sie dürften ruhig öfter vorbeikommen. Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen.»

Zibu hat zwar keinen offiziellen Fanclub – aber Besucher hatte er dennoch schon einige. «In letzter Zeit wars etwas ruhiger. Aber es gab Zeiten, da kamen Leute nur, um ihn zu sehen.»

Kein Zufall, sondern Lebenswerk

Für Bert Horner ist Zibu kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung. Seit über 40 Jahren züchtet er leidenschaftlich Stiere, kennt jedes Tier beim Namen. Trotzdem: Dass «sein» Muni als Siegermuni im Zentrum des Eidgenössischen steht, ist etwas Besonderes. «Ich bin sehr stolz», sagt er im Gespräch. «Das ist der Höhepunkt meiner Bauernkarriere.»

Und Zibu? Der bleibt vorerst auf dem Hof. Im Stall, wo er sich am wohlsten fühlt. Doch wenn das ESAF ruft, wird er bereit sein – wie ein König, der seinen grossen Auftritt kennt.

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Wo bleiben die Schwingfluencer?

Das Potenzial ist riesig – 8. August 2025

Von Joel Wicki (28) bis Christian Stucki (40), vom ESAF bis hin zu den kantonalen Schwingfesten – Schwingen bewegt. Tausende pilgern an die Feste, die TV-Quoten sind stark. Und dennoch: Auf Instagram & Co. ist vom Hosenlupf wenig zu sehen. Schwingen ist voll im Trend – auf den sozialen Medien aber merkt man davon kaum was. Einzelne Schwinger posten ab und zu mal ein Trainingsfoto, andere machen gar nichts.

Felix Murbach, Marketing- und Digitalexperte, bestätigt dies: «Schwinger sind eher reaktiv als aktiv auf Social Media», sagt er. «Da fehlt meist ein Content-Plan. Viele Beiträge blicken zurück statt nach vorne. Emotionen? Gibts – aber selten online.»

Kaum einer knackt die 10’000

Trotz ihrer landesweiten Popularität erreichen viele Schwinger auf Social Media nur moderate Reichweiten. Der zurückgetretene Christian Stucki hat mit 35’100 am meisten Follower, gefolgt von Samuel Giger (27; 34’700), Joel Wicki (28; 33’700) und Curdin Orlik (32; 25’300). Dahinter: Namen wie Remo Käser (28), Kilian Wenger (35) oder Fabian Staudenmann (25) mit vergleichsweise bescheidenen Zahlen.

Zum Vergleich: Ski-Freestyle-Star Andri Ragettli (26) zählt über 600’000 Follower, Leichtathletin Mujinga Kambundji (33) mehr als 200’000 – obwohl sie international unterwegs sind, dürfte zumindest eine sechsstellige Follower-Anzahl aus der Schweiz stammen. Murbach schätzt: «Je nach Bekanntheitsgrad liegen da 20’000 bis 100’000 Franken an ungenutztem Potenzial pro Jahr drin. Ein Schwinger mit einer starken Marke und gutem Plan könnte sogar 150’000 verdienen – durch Affiliate-Marketing, Partnerschaften, bezahlte Inhalte.»

Eine Facebookgruppe zeigt, wie es geht

Wie enorm Schwingen eben auch online bewegen kann, zeigt Katrin Fankhauser-Zimmermann. Die pensionierte Schwing-Fanatikerin betreibt seit 2022 die Facebook-Gruppe Schwingen aktuell – mit über 15’600 Mitgliedern. «Ich hätte nie mit so viel Interesse gerechnet», sagt sie.

Sie investiert täglich viel Zeit in ihre Gruppe. Sie schreibt Biografien, stellt die Feste vor, wertet Resultate aus. Besonders gern porträtiert Fankhauser-Zimmermann junge Schwinger. Der Aufwand ist gross – doch die Leidenschaft noch grösser. «Es ist mein Hobby, eine Art Virus. Ich liebe es.» An Schwingfesten wird sie mittlerweile erkannt. Die Reaktionen? «Überwältigend.»

Selbst der Frauenschwingverband fragte bei ihr an, ob sie künftig berichten möchte. Ihr Wunsch an die aktiven Schwinger für die virtuelle Welt: «Etwas mehr Persönlichkeit zeigen – das wäre schön.»

Zurückhaltung, Respekt, Ruhe – Werte, die im Schwingen hochgehalten werden. Für Experte Murbach kein Widerspruch zur digitalen Welt: «Im Gegenteil, gerade das macht es spannend. Tradition modern erzählen – das hätte Kraft.»

Auch Elia Hendry, stellvertretender Redaktionsleiter beim Portal schlussgang.ch, sieht Potenzial. «Unser Content wird geschätzt. Aber unser Fokus liegt auf Website und Zeitung – bewusst.» Was er an den Schwingern schätzt: «Sie bleiben authentisch. Ihre Posts wirken nicht wie von einer PR-Agentur.»

Weniger Werbung, weniger Sichtbarkeit

In den Arenen ist Werbung auf den Schwinger-Outfits verboten, die Sichtbarkeit für Partner begrenzt. «Das macht Social Media umso wichtiger», so Murbach. «Sichtbarkeit braucht Plattformen, Follower, Content.»

Einige Schwinger versuchen es. Der kürzlich zurückgetretene Remo Käser postet im Aldi-Shirt, Stucki wird von Lidl unterstützt. Doch meist bleibt das Potenzial ungenutzt – sei es aus Zeitmangel, Unsicherheit oder schlicht, weil andere Werte zählen.

Denn klar ist: Schwinger sind bisher keine Influencer. Sie sind Landwirte, Metzger, Handwerker, Familienväter – und Sportler. «Ein strategischer Schub wäre nötig. Schulungen, Wissen, Begleitung – das würde helfen», sagt Murbach.

Ein Sport mit riesigem Herz – zeigt es!

Dabei gäbe es viel zu erzählen: ein Tag im Leben eines Schwingers. Die Anspannung vor einem Fest. Die Erschöpfung nach dem Schlussgang. Humorvolle Einblicke, kleine Fails, Emotionen. Murbach: «Schwingen ist ein emotionaler Sport. Zeigt das auch!»

Doch niemand will das Rad neu erfinden oder Traditionen mit Hashtags übertünchen. Vielmehr geht es um Ergänzung, nicht Ersatz. Um die Chance, jüngere Fans zu erreichen – ohne den älteren vor den Kopf zu stossen. Murbach: «Wenn man das richtig macht, wäre das für Sponsoren und Fans ein riesiger Mehrwert.»

Dass sich was bewegt, ist nicht ausgeschlossen. Murbach glaubt: «Die ältere Garde wird nicht ewig aktiv sein. Jüngere Schwinger, die mit Social Media aufgewachsen sind, stossen nach. Das ist nur eine Frage der Zeit.»

Das Schwingen bleibt eine Ausnahmeerscheinung im Sportzirkus. Authentisch, geerdet, traditionsbewusst. Und vielleicht ist der Sport gerade deshalb so beliebt. Doch das eine muss das andere nicht ausschliessen. Wer bereit ist, ein Stück weit über den Sägemehlring hinauszublicken, dem könnten sich neue Möglichkeiten eröffnen.

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Bob-Anschieberin sprintet nach Krebs-OP zurück ins Leben

Olympia-Traum nach schwerer Krankheit – 1. August 2025

«Ich fühle mich so gut wie am Tag vor der Erkrankung.» Wenn Michelle Gloor (24) das sagt, klingt es ruhig. Fast gelassen. Doch hinter dem Satz steckt ein Kampf, wie ihn nur wenige durchmachen. Denn vor einem halben Jahr lag die kräftige Bob-Anschieberin mit einer Krebsdiagnose im Spital. Heute sprintet sie wieder über die Anschubbahn, stemmt Gewichte – und jagt ihren grossen Traum: Olympia in Cortina.

Fünfstündige Operation, Chemotherapie – und der Wille, zurückzukommen

Im November 2024 kam die Diagnose, im Dezember folgte eine fünfstündige Operation, ab Februar eine intensive Chemotherapie. Während andere in ihrer Situation pausieren, hat Gloor nie ganz mit dem Training aufgehört. «Ich bin anstrengend, wenn ich mich nicht bewegen kann», sagt sie lachend. Selbst mit Schmerzen sass sie auf dem Velo oder machte leichtes Krafttraining. «Ich wollte einfach spüren, dass mein Körper noch funktioniert.»

Heute, rund zwei Monate nach Therapieende, ist sie zurück im strukturierten Trainingsalltag. «Ich kann wieder fast alles machen – nicht mit der Intensität wie früher, aber qualitativ sind es die besten Trainings meines Lebens.» Die Verbindung zwischen Kopf und Körper sei stärker geworden. «Ich höre mehr auf meinen Körper. Und ich merke: Ich bin zurück.»

Ein neues Lebensgefühl – mit Fast-Glatze und viel Stärke

Ihre langen, schwarzen Haare hat sie verloren. «Am Anfang war es komisch, ich habe es mir schlimmer vorgestellt.» Heute trägt sie oft ein Tuch – nicht aus Scham, sondern um nicht aufzufallen. «Ich will einfach normal sein.» Den Moment, als ihre Haare rasiert wurden, hat sie noch im Kopf. «Ich habe ein paar Strähnen behalten – wie ein Stück vom ersten Leben. Jetzt beginnt das zweite.»

Die Krankheit habe vieles verändert. «Die Erde dreht sich weiter – egal, ob es mir gut geht oder nicht. Entweder mache ich das Beste draus oder ich stecke den Kopf in den Sand. Aber als Sportlerin gibt man nicht so schnell auf.» Zurückgekämpft hat sie sich auch mit der Hilfe ihrer Familie: «Jeden Tag war jemand bei mir im Spital. Eine Umarmung hat oft mehr geholfen als jedes Schmerzmittel.»

Olympia ist jeden Tag präsent – als Kette am Hals und Ziel im Kopf

Im Oktober gehts für Gloor erstmals wieder in den Eiskanal – im Trainingslager in Norwegen. Ihre Pilotin Debora Annen (23), mit der sie eigentlich letzte Saison durchstarten wollte, ist aktuell in der Spitzensport-RS in Magglingen. Der Kontakt blieb eng. «Nach meiner letzten Chemo war ich in Tenero im Trainingslager – ein besonderer Moment, wieder mit Debora zu trainieren.»

Doch die Olympia-Qualifikation ist kein Selbstläufer. Entscheidend wird ein Anschiebewettkampf im Dezember in Deutschland – dort zählt nur die Zeit. «Aber weil ich schon in Deboras Team war, habe ich einen kleinen Vorsprung. Wer in ihr Team will, muss an mir und meinen Teamkolleginnen vorbei.»

Der Antrieb? Riesig. Jeden Tag blickt sie auf ihre Kette mit den olympischen Ringen. «Olympia ist nicht weit weg – es ist jeden Tag da. Es wäre das Grösste, was ich in meiner Sportlerkarriere je erreichen könnte.»

«Ich bin stärker als der Krebs» – und das möchte sie auch zeigen

Wenn sie heute jungen Menschen etwas mitgeben kann, dann das: «Mir ist wichtig, dass man über Krebs redet. Es ist ein Tabuthema – besonders bei jungen Leuten. Es gibt viele, die nicht können oder wollen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Menschen wie ich, die darüber sprechen können, es auch tun.»

Zweifel gibt es noch. Aber nicht mehr als früher. «Der Sport hilft mir, mein Selbstvertrauen wieder aufzubauen. Ich sehe, wie ich stärker werde, höher springe. Das gibt mir Energie.»

Und dann lacht sie wieder. Offen. Herzlich. Fokussiert. Und plötzlich ist sie wieder da – Michelle Gloor, die Kämpferin. Die Sportlerin. Die Olympiakandidatin.

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Schweizer Berg-Profis über Drama um Dahlmeier (†31)

Unglücksberg extrem gefährlich – 31. Juli 2025

Ein dramatisches Unglück in den Bergen – und eine bittere Erkenntnis: Selbst erfahrene Alpinistinnen wie Laura Dahlmeier (†31) sind den Naturgewalten oft machtlos ausgeliefert. Blick hat mit zwei Schweizer Bergprofis gesprochen, welche die Situation aus der Ferne einordnen.

Extremes Gelände und fehlende Rettungschancen

Für Kari Kobler (70), ehemaliger Expeditionsleiter und Bergsteiger-Legende, ist klar: «Der Laila Peak ist extrem steil, das Gelände sehr ausgesetzt. Eine Helikopterlandung ist dort schlicht unmöglich.» In Pakistan kommen ausschliesslich Militärhelikopter zum Einsatz, mit Piloten, die nicht für Rettungen, sondern für Transporte ausgebildet sind. Long-Line-Rettungen, wie man sie aus der Schweiz kennt, seien dort nicht durchführbar. «Die Piloten riskieren ihr Leben nicht und können es oft auch gar nicht, weil sie die nötige Ausbildung nicht haben.»

Eine Long-Line-Rettung bedeutet: Der Helikopter schwebt über dem Gelände, das Material – oder im Notfall auch Menschen – wird an einem bis zu 80 Meter langen Seil transportiert. In der Schweiz Alltag bei Bergrettungen. In Pakistan hingegen undenkbar. «Dazu fehlen die Systeme, das Training – und auch die Infrastruktur», so Kobler.

Erfahrung hilft nicht gegen Naturgewalten

Evelyne Binsack (58), Bergführerin, Abenteurerin und ehemalige Helikopterpilotin, kennt das Gebiet. 1993 war sie im Karakorum unterwegs, der Laila Peak blieb ihr wegen fehlenden Bewilligungen verwehrt. «Das ist einer der formschönsten Berge der Welt, aber auch extrem gefährlich. Die Wand ist dauerhaft rund 50 Grad steil, ein Eis- und Felspanzer. Dass ein Notruf überhaupt abgesetzt werden konnte, grenzt an ein Wunder.»

Beide Experten betonen, dass es bei den aktuellen Bedingungen – trocken, kaum Schnee, hohe Sonneneinstrahlung – besonders häufig zu Steinschlägen kommt. Auch für gut ausgebildete Alpinisten wie Dahlmeier sei das Risiko kaum kontrollierbar. «So etwas kann man nicht planen», sagt Kobler. «Das gehört zu den Gefahren, die wir im Hochgebirge einfach akzeptieren müssen.»

Für Binsack ist klar: «Das war Pech. Sie war sehr erfahren und wusste genau, was sie tat. Aber am Berg entscheidet manchmal ein einziger Moment.» Dass eine Rettung nicht möglich war, sei tragisch, aber nachvollziehbar. «Mit den Mitteln vor Ort war schlicht nichts zu machen», sagt Kobler. «Ohne Long Line hätte man sie nicht lebend runtergebracht.»

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So tickt Thuns Zauberfuss Bertone

Erlebt seinen zweiten Frühling – 29. Juli 2025

Sechs Jahre spielte er nicht mehr in der Super League. Jetzt ist Leonardo Bertone (31) wieder da – und wie! Beim Sieg des FC Thun am Sonntag in Lugano (2:1) versenkt der Routinier erst einen Penalty. Dann führt sein Distanz-Freistoss zum Siegtor. Ein Doppelpack für drei Punkte. Ein Hammer-Comeback.

«Leo ist wie ein alter Wein – er wird immer besser», sagt Chris Schwab (32). Die beiden kennen sich seit Jugendtagen, spielten gemeinsam bei YB und sind bis heute eng verbunden. Schwab ist sein Berater – und begleitet Leonardo Bertone seit Jahren auf seinem Weg.

Seit Sommer 2022 spielt der zentrale Mittelfeldspieler wieder für Thun. Ein Schritt zurück damals in die Challenge League? Sicher ein Heimkommen. Bertone ist in der Region Bern aufgewachsen, in der YB-Akademie gross geworden und Teil jener Mannschaft, die 2018 den ersten Meistertitel nach 32 Jahren holte.

MLS-Premiere und Thun-Abstieg

Bertone lernte 2019 in den USA bei Cincinnati eine komplett neue Fussballkultur kennen. Für die Amerikaner schoss er sogar das allererste MLS-Tor der Klubgeschichte.

Er kennt jedoch auch harte Rückschläge: Nach seinem einjährigen US-Abenteuer unterschrieb er im Januar 2020 ein erstes Mal bei Thun, ein halbes Jahr später stieg er ab – und zog weiter nach Beveren (Bel). Bis er zwei Jahre später zurück zu Thun kam und 2024 in der Barrage gegen GC haarscharf den Aufstieg verpasste.

Vom Weitschusstalent zum Leader

Was auch in der Zusatzschlaufe Challenge League aufgefallen ist: seine gefährlichen Weitschüsse, die immer wieder zu Toren führen. Sie gehörten schon in Juniorenzeiten zu seinem Markenzeichen.

Bertone gehört zur sogenannten «Berner Generation»: Mit Spielern wie Michael Frey, Gregory Wüthrich, David von Ballmoos, Yvon Mvogo, Helios Sessolo oder Nati-Captain Lia Wälti ist er aufgewachsen. Viele dieser Weggefährten trifft er heute noch regelmässig – auf einen Kaffee in Bern.

Konkurrenz um die Captainbinde?

In Thun ist Bertone der Taktgeber im Mittelfeld. Wie letzte Saison ist er Vize-Captain hinter Verteidiger Marco Bürki. «Marco ist ein Freund von ihm, da gab es nie böses Blut. Die Hierarchie ist klar», erklärt Weggefährte Schwab. Und weil Bürki im Frühling immer wieder verletzt war, trug Bertone regelmässig die Binde. «Er ist kein Lautsprecher, aber einer, der immer da ist und vorangeht.»

Kurz vor dem Aufstieg verlängerte Bertone seinen Vertrag in Thun bis 2027. Die Zukunft hat der Mittelfeldspieler parallel aufgegleist. Er hat ein Sportmanagement-Studium abgeschlossen, bildet sich aktuell in Wirtschaftsinformatik weiter und arbeitet am Trainerdiplom. Aber aktuell ist der Fokus wohl klar: das Super-League-Abenteuer mit Thun.

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Winti-Sportchef Oliver Kaiser plant ohne Millionen

Kader statt Kasse – 27. Juli 2025

Nach dem Abgang von Tobias Schättin (28) stellt sich die Frage, wie die linke Abwehrseite künftig besetzt wird. «Silvan Sidler kennt die Position gut, er hat sie in der Vergangenheit bereits gespielt», erklärt Sportchef Oliver Kaiser (45). Auch Ledjan Sahitaj (21) oder Fabian Rohner (26), sobald dieser nach seiner Hirnerschütterung zurückkehrt, seien Optionen. Derzeit ist Souleymane Diaby (25) der einzige gelernte Linksverteidiger im Kader. «Wir haben drei bis vier Varianten, die wir je nach Situation von Wochenende zu Wochenende abwägen.»

In der Vorbereitung standen zudem bis zu sechs U21-Spieler mit dem Fanionteam auf dem Platz. «Die Jungs haben das sehr gut gemacht», sagt Kaiser. «Natürlich geht es am Ende um Leistung. Aber wenn sie sich aufdrängen, werden wir sie auch einsetzen.»

Baroan-Transfer sorgt für Verwirrung

Für Gesprächsstoff sorgte zuletzt der Wechsel von Antoine Baroan (25) zu Rapid Bukarest. Als dieser 2024 aus Bulgarien zu Winterthur stiess, wurde in Medienberichten von einer Ablösesumme zwischen 600’000 und 800’000 Franken berichtet – Zahlen, die laut Kaiser nicht der Realität entsprechen: «Wir haben ihn für einen Bruchteil der Summe geholt.» Man habe sowohl beim Leihgeschäft mit Ludogorets als auch jetzt beim Transfer einen wirtschaftlich positiven Abschluss erzielt.

Klar ist: Winterthur wirtschaftet mit Augenmass. «Grundsätzlich bezahlen wir keine Ablösesummen, wenn dann eher symbolische Beträge», so Kaiser. Auch beim Transfer von Di-Giusto-Ersatz Théo Golliard (22) sei das nicht anders gewesen. «Wir hatten ihn schon lange auf dem Radar, und es hat keine grosse Überzeugungsarbeit gebraucht – der Spieler wollte selbst auch zu uns. Das hat vieles vereinfacht.»

«Dann ist es eben möglich»

Die Saison beginnt heute in Lausanne – auf Kunstrasen, gegen einen ambitionierten Gegner. Kaiser sieht es sportlich: «Es ist am besten, wenn du das Gefühl hast, es sei unmöglich – dann ist es eben möglich.»

Die Vorbereitung beschreibt der Sportchef als intensiv und erfolgreich. «Die Stimmung ist super, das Team wirkt gefestigt, auch wenn wir ein paar angeschlagene Spieler haben, was natürlich ärgerlich ist.»

Und wie sieht es mit weiteren Kaderveränderungen aus? «In dieser Phase kann noch einiges passieren. Es gibt immer wieder Entwicklungen, auf die man reagieren muss», so Kaiser. Grundsätzlich sei man mit dem Kader aber sehr zufrieden: «Wir haben Vertrauen in die Jungs, es passt sehr gut zusammen.»

Die Marschrichtung bleibt klar: ein stabiles Team mit realistischer Zielsetzung – und der Hoffnung, auch in dieser Saison wieder mehr zu erreichen, als viele erwarten.

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Ambühls Nummer 10 wird in der Nati nie mehr vergeben!

Grosse Ehre für «Büeli» – 31. Juli 2025

Im Attisholz-Areal in Solothurn versammelt sich die Schweizer Hockeyszene, um die besten Spielerinnen und Spieler der Saison zu ehren. Wer holt sich eine der begehrten Trophäen? Hier verpasst du nichts.

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Für YB verzichtet Edimilson Fernandes auf die grosse Saudi-Kohle

Warum er trotz Mega-Angebot nach Bern wollte – 24. Juli 2025

Edimilson Fernandes (29) ist zurück im Wankdorf, im gelb-schwarzen YB-Dress, in der Super League. Und er macht keinen Hehl daraus, wie viel ihm dieser Schritt bedeutet.

Nach fast acht Jahren im Ausland (unter anderem bei West Ham, Mainz, Arminia Bielefeld) kehrt der 34-fache Nationalspieler in die Schweiz zurück. Und das ganz bewusst: «Ich hatte viele Angebote. Aus Frankreich, aber auch aus Saudi-Arabien», sagt Fernandes. «Aber für mich hat hier einfach alles gestimmt.»

Fernandes macht gegenüber Blick kein Geheimnis daraus: Das lukrative Saudi-Angebot war konkret. Doch Edimilson wählte nicht den grossen Zahltag, sondern die neue Aufgabe in Bern. «Ich habe viele Gespräche mit Christoph Spycher (47) und Mathieu Beda (43) geführt – sie haben mich vom Projekt hier überzeugt.» Es gehe ihm nicht nur um Fussball, sondern auch um das richtige Umfeld. «Ich treffe jede Entscheidung mit meiner Familie, ich bin ein absoluter Familienmensch.»

«Bin klar gereift im Ausland»

Fernandes stand bereits im Frühjahr 2022 für ein halbes Jahr bei YB unter Vertrag. Damals ausgeliehen von Mainz. Jetzt kehrt er fix zurück. Doch im Gegensatz zu damals bringt er diesmal nicht nur internationale Erfahrung mit, sondern auch eine klare Rolle im Teamgefüge.

«Ich bin gereift in der Zeit im Ausland. Ich bin mental stärker, erwachsener, weiss, wie ich trainieren muss, und ich kann jungen Spielern helfen», sagt er. Er selbst sieht sich als Führungsspieler, aber nicht als Lautsprecher: «Ich bin ein ruhiger Typ, ich schreie nicht gross neben dem Platz. Aber auf dem Feld verwandle ich mich. Ich spreche viel und versuche, meine Mitspieler zu pushen.»

Das gefällt auch Trainer Giorgio Contini (51): «Er ist klar fürs Zentrum eingeplant, aber seine Flexibilität macht ihn mega interessant.» Auch Fernandes selbst schmunzelt, als das Thema auf seine Position kommt. «Das war irgendwie immer ein Thema in meiner Karriere», sagt er. «Ich habe viele Positionen gespielt, manchmal auch spielen müssen. Aber meine Position ist ganz klar im Zentrum. Dort bin ich am stärksten.»

Nati? «Alles, was kommen soll, wird kommen»

Und die Nationalmannschaft? Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko? «Natürlich ist das ein Thema. Aber das ist noch ein weiter Weg. Im Moment fokussiere ich mich nur auf YB – und alles, was kommen soll, wird kommen.»

Zum Saisonauftakt trifft YB am Wochenende auf Servette und damit auch auf Keyan Varela (19), der mit Gelson Fernandes (38) verwandt ist. Edimilson ist ein Cousin von Gelson. «Aber das ist alles weitläufig», sagt Edimilson Fernandes und winkt lachend ab. «Nicht wirklich nahe Familie, also kein spezielles Duell für mich.»

Viel mehr interessiert ihn das Hier und Jetzt. «Ich bin sehr glücklich, wieder hier zu sein und hoch motiviert», sagt Fernandes zum Abschluss. Es wird deutlich: Er will bei YB wieder Spuren hinterlassen.

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Ein Österreicher und ein Däne geben GC neue Hoffnung

Zürcher wollen endlich raus aus dem Tabellenkeller – 20. Juli 2025

Eine Woche bleibt den Grasshoppers in der Vorbereitung auf die neue Saison noch. Nach zwei Spielzeiten, die im grösstmöglichen Drama mit der Rettung erst in der Barrage endeten, soll jetzt endlich ein Schritt vorwärts gelingen. Die Hoffnung ist vor allem mit einem Namen verbunden: Gerald Scheiblehner.

Der 47-jährige Österreicher sorgt für Aufbruchstimmung auf dem GC-Campus in Niederhasli ZH. An der Seitenlinie lebt er vor, was er von seiner Mannschaft erwartet: Charisma und Biss. Doch auch Scheiblehner gibt unumwunden zu: Noch ist GC nicht da, wo es hinsoll in der anstehenden Super-League-Kampage.

GC hofft mit Scheiblehner auf den Linz-Effekt

Die nackten Resultate der Vorbereitung sorgen für Mut bei den Hoppers. Obwohl man später als die Konkurrenz in die Vorbereitung gestartet ist, zeigt sich das Team schon überraschend eingespielt. Nach einem holprigen Auftakt und einem 1:1 gegen Challenge-League-Klub Vaduz folgte ein 3:0 gegen Sion, ein 2:1 gegen Rapperswil-Jona und am Samstag eine respektable 1:3-Niederlage gegen West Ham. Kein Drama, wenn man bedenkt, dass da Namen wie Lucas Paqueta, Niclas Füllkrug oder Jarrod Bowen auf dem Platz standen.

Scheiblehner kommentiert das West-Ham-Spiel nüchtern: «Ich habe in Österreich auch schon gegen gute Gegner gespielt.» Auf gute Gegner wird GC auch in der neuen Saison treffen, wenn auch nicht gerade vom Kaliber eines Premier-League-Klubs. Darauf freut sich der neue Trainer der Hoppers. «Ich habe hier eine junge, motivierte Mannschaft. Es macht mir Spass, mit ihnen zu arbeiten.»

Bei seinem Ex-Klub Blau-Weiss Linz hatte er Spielern, denen anderswo nichts mehr zugetraut wurde, das Überraschungs-Team der Liga gezimmert. Ähnliches erhofft man sich nun auch beim Rekordmeister.

Ein Däne als Lichtblick auf dem Platz

Mit dem 19-jährigen Juwel Jonathan Asp Jensen hat GC auf jeden Fall ein aufregendes Talent aus den Reihen von Bayern München ausgeliehen, welches die Arbeit von Scheiblehner um einiges einfacher machen könnte. Auch gegen West Ham zeigt der Teenager, dass er trotz des jungen Alters Verantwortung übernehmen kann. Jensens Distanzschuss sorgte für den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer zum 1:2.

Ansonsten bleiben aber viele Fragezeichen. Ist die Verteidigung ohne Ayumu Seko, dafür mit dem 33-jährigen Saulo Decarli als neuen Abwehrchef besser als noch in den Barrage-Saisons? Wie viel hat der ewige GC-Captain Amir Abrashi im Mittelfeld noch im Tank? Und ist Luke Plange, der sich als Testspieler in der Vorbereitung offenbar für mehr empfohlen hat, wirklich die gewünschte Verstärkung im Angriff?

Lob ist gut, Punkte sind besser

Die gute Nachricht: Scheiblehner versucht gar nicht erst, die Situation übertrieben schönzureden. Stattdessen kommt vom Österreicher Klartext: «Wir sind schon noch weit weg von dem, was wir spielen wollen.» Aber die Neuzugänge hätten guten Schwung mitgebracht.

Voll des Lobes für den neuen Coach ist GC-Eigengewächs Simone Stroscio. Der 21-Jährige kam in der abgelaufenen Saison viermal für die erste Mannschaft zum Einsatz, die Vorbereitung mit Scheiblehner beeindruckt ihn aber. «Es läuft sehr gut. Es sind zwar viele neue Automatismen, aber es macht Spass, mit ihm zu arbeiten.»

Wie viel sich von dem Lob in Punkte ummünzen lässt, wird sich zeigen. Erstmals am kommenden Wochenende beim Saisonauftakt gegen den FC Luzern.

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GC feiert ein Fussballfest der Gegensätze

Testspiel gegen Premier-League-Klub auf dem GC-Campus – 19. Juli 2025

Was für ein Kontrastprogramm an diesem warmen Samstag in Niederhasli: Während nebenan am Grümpelturnier GC-Fans mit Bier in der Hand über den Rasen stolpern, läuft auf dem GC Campus internationale Fussballklasse auf. West Ham United ist zu Besuch – mit klingenden Namen wie Alphonse Areola, Lucas Paquetá, Niclas Füllkrug oder Aaron Wan-Bissaka. Auch einige mitgereiste West-Ham-Fans sind auf dem Gelände unterwegs – optisch klar erkennbar, stimmungsmässig aber deutlich zurückhaltender als die Einheimischen.

«Wenn man auf die andere Seite schaut und da stehen Areola und Paquetá, dann ist das schon geil», sagt ein GC-Fan, der zwischen zwei Hobbyspielen rübergeschaut hat. Tatsächlich haben sich viele Fans eingefunden, um sich das Testspiel nicht entgehen zu lassen. Mit dabei: Ex-Hopper Shkelzen Gashi, der wie viele andere die Sonne geniesst – bis kurz vor Anpfiff. Dann schlägt das Wetter um. Wind, Regen, Stimmungsknick.

Premier League trifft Super League

GC startet mutig, erspielt sich erste Chancen. Doch mit fortlaufender Spielzeit zeigt sich: West Ham ist eine Nummer zu gross. Jarrod Bowen trifft nach einer feinen Einzelaktion zur Führung – von rechts zieht er nach innen und versenkt den Ball unhaltbar unten rechts.

Der Regen bleibt, die Stimmung sackt etwas ab. GC kommt kaum zu Abschlüssen, zu dominant agieren die Engländer. Und wenn sie nicht gerade den Ball laufen lassen, dann laufen sie GC davon. Der Klassenunterschied ist deutlich spürbar – technisch, taktisch, körperlich.

Nach der Pause viele Wechsel auf beiden Seiten. West Ham bringt Nachwuchs, GC auch. Einer der Jungspunde trifft: Callum Marshall schliesst eine schöne Kombination zum 2:0 ab.

Ein Lichtblick

Doch dann kommt Jonathan Asp Jensen. Der GC-Neuzugang bringt frischen Wind, ist quirlig, spielfreudig – und trifft nach einem hohen Ball per Volley sehenswert zum 1:2. Endlich wieder Leben im Publikum! Ein paar Fangesänge hallen über das Feld, GC drückt tatsächlich auf den Ausgleich.

Kurz vor Schluss sorgt dann ein umstrittener Elfmeter für Diskussionen – Lucas Paquetá tritt an und verwandelt souverän zum 1:3-Endstand.

Ein Spiel mit klassischem Testspiel-Charakter – viele Wechsel, wenig taktischer Druck, dafür aber mit viel internationaler Klasse und einem deutlichen Niveauunterschied. Und drumherum ein Rahmenprogramm, wie man es so wohl nur in Niederhasli erlebt: Während auf dem Hauptplatz die Stars von West Ham auflaufen, wird wenige Meter daneben beim GC-Grümpel mit Bier in der Hand und lautem Sound um die Ehre gespielt. Profi-Fussball trifft Fussballfest im Kleinformat.

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«Die Jungs haben nur vor Spielbeginn gelacht»

Langnau ist stolz auf Lia Wälti – 11. Juli 2025

In Langnau kennt man sich. Und man kennt sie – auch wenn niemand grosses Aufheben darum macht. Lia Wälti (31), Captain der Schweizer Nati, Champions-League-Siegerin, internationaler Fussball-Star in Diensten von Arsenal London. Aber hier im Emmental ist sie einfach Lia. Ein Mädchen aus dem Dorf, Tochter von Monika Wälti und Andreas Aebi.

Und doch ist in diesen Tagen alles ein wenig anders. Auch Langnau ist im EM-Fieber – und drückt natürlich der berühmten Tochter des Ortes ganz besonders die Daumen. Als sich Blick am Tag des Spiels gegen Finnland im Dorf umhört, zeigt sich überall das gleiche Bild: Jeder kennt sie, jeder hat eine Anekdote zu erzählen. Und keiner macht ein grosses Theater darum. Diese Mischung aus Stolz und Zurückhaltung – typisch Emmental.

Im Zentrum: «Lias Vater hat unglaublich viel für den Fussball gemacht»

Im Café Käptn Holger direkt beim Bahnhof läuft später am Abend das Nati-Spiel auf dem TV-Bildschirm. Hinter der Theke: Barchef Jan Wolter (35), lässig, mit Kaffeetasse in der Hand. «Die Monika, Lias Mutter, kommt oft vorbei – immer mit einem Lächeln», sagt er. Und bei Lias Vater Andreas erinnert er sich: «Der war bei jedem Fussballanlass dabei. Ich erinnere mich an ein Abschlussspiel an der Schule – er war ehrgeiziger als die Schüler.»

Im Garten der Familie gabs Feste. Der Vater? Immer mittendrin. «Er hat unglaublich viel für den Frauenfussball gemacht – ohne Lärm, aber mit Herz.» Obs bald einen «Lia Wälti»-Drink im Café gibt? Jan lacht. «Vielleicht, wenn sie in den Halbfinal kommen!»

Auf dem Fussballplatz: «Sie war schon da, bevor der Ball kam»

Ein paar Minuten vom Zentrum entfernt liegt der Fussballplatz des FC Langnau, gleich beim neuen Klubhaus. Auf der kleinen Tribüne sitzt Beat Röthlisberger (69), verschmitztes Lächeln, sommerlicher Anzug, ruhiger Blick. 20 Jahre lang war er Trainer hier – und einer der Väter des Frauenfussballs in Langnau. «Ich hatte Lia in den D- und C-Junioren. Aber eigentlich gehts nicht nur um sie. Wir hatten damals eine Gruppe von Mädchen, die einfach alles gegeben hat. Und Lia war mittendrin.»

Und dann erzählt er von damaligen Erlebnissen an Spieltagen: «Die besten Mädchen spielten bei mir in den Jungsmannschaften gegen andere Teams. Und vor Spielbeginn – da lachten die gegnerischen Jungs noch. Sprüche, Gekicher, ihr wisst schon. Und dann? Halbzeit. Einfach: Ruhe. Weil sie gemerkt haben, was unsere Frauen drauf haben.»

Lia war keine, die rumschrie. Sie war präsent, schnell und klug. «Sie war schon da, bevor der Ball kam», sagt Röthlisberger. «Schon damals ein umsichtiger, zweikampfstarker Sechser mit Köpfchen.»

Der Anstoss für den Frauenfussball in Langnau? «Ein paar Mädchen kamen nach einem Schülerturnier zu uns. Sie wollten im Verein spielen. Wir sagten: Findet 20 Mitspielerinnen – dann reden wir weiter. Zwei Monate später kam eine Liste. Voll.»

Und heute? Röthlisberger schwärmt: «Captain der Nati – Wahnsinn. Aber es ist mehr als das. Es geht um all die Frauen, die mit ihr gegangen sind. Und das berührt mich.»

In der Badi: «Die Mädels sagten, was läuft»

Später Nachmittag, Schattenplatz in der Badi, Vorbereitungen fürs Public Viewing. Till Brand (31), Leiter des Restaurants, sitzt entspannt auf der Lounge. Er und Lia? Eine Kindheit wie aus dem Bilderbuch.

«Wir haben im gleichen Haus gewohnt. Ich oben, sie unten. Jeden Tag draussen.» Im Winter plätteten sie mit Skiern den Schnee im Garten, Lias Vater wässerte die Fläche. «So entstand unsere eigene Eisbahn – Eishockey, Wettrennen, einfach alles.»

Nur beim Fussball konnte Brand nicht mithalten? «Es kam schon vor, dass wir gespielt haben. Aber ehrlich: Ich war nicht der Fussballer – und die drei Mädels haben sowieso gesagt, was läuft.»

Dienstags war Till bei den Wältis zum Mittagessen. «Es gab immer Rosenkohl – ich mochte ihn nie. Aber ich habs gegessen, einfach weil es dazugehört hat.» Dann erzählt er von langen Sommerabenden im Garten, ausgedachten Spielen – und Ferien in Frankreich. «Da haben wir ständig irgendwelche Wettbewerbe gemacht – Familienduelle oder Wettrennen. Alles ein bisschen verrückt.»

Heute hängt ein Originaltrikot von Lia in Brands Restaurant. «Es ist schon schräg. Du wächst mit ihr auf – und plötzlich spielt sie Champions League. Aber hier im Emmental posaunt das niemand raus. Man trägt den Stolz still.»

22.49 Uhr – und dann brennt die Hütte

Die Wiese in der Badi füllt sich langsam, der Sonnenuntergang taucht alles in warmes Licht. Picknickdecken liegen aus, Kinder tragen Nati-Trikots. Die Schweiz spielt – und ganz Langnau schaut gebannt zu.

Erst Zittern, dann Leiden – und dann, in der 92. Minute, Reuteler schiesst, Xhemaili trifft. Tor! Viertelfinal. Die Wiese explodiert vor Freude. Kinder rennen jubelnd umher, Rentner klatschen begeistert, Menschen fallen sich um den Hals. Pure Emotionen. Und mittendrin in der Jubeltraube auf dem Bildschirm: Lia, das Mädchen aus dem Dorf. Eine, die einfach dazugehört.

Langnau, Lia – und das grosse Staunen im Kleinen

Erst Zittern, dann Leiden – und dann, in der 92. Minute, Reuteler schiesst, Xhemaili trifft. Tor! Viertelfinal. Die Wiese explodiert vor Freude. Kinder rennen jubelnd umher, Rentner klatschen begeistert, Menschen fallen sich um den Hals. Pure Emotionen. Und mittendrin in der Jubeltraube auf dem Bildschirm: Lia, das Mädchen aus dem Dorf. Eine, die einfach dazugehört.

Spätabends gehen wir durchs dunkle Dorf zurück. Aus Fenstern flackert Licht. Irgendwo bellt ein Hund. Und über allem liegt dieser stille Stolz. Lia Wälti? Die kennt hier jeder. Aber keiner macht viel Wind. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sie so weit gekommen ist. Weil sie weiss, woher sie kommt. Und weil alle hier wissen, dass sie immer noch dazugehört.

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Hungrige Solothurner mussten Tankstelle neben der Pontaise leerkaufen

Am Turnfest in Lausanne ging das Essen aus – 16. Juni 2025

Es ist eigentlich ein Fest des Schweizer Breitensports, doch es droht für viele Teilnehmende zur Geduldsprobe zu werden – zumindest kulinarisch. Am 77. Eidgenössischen Turnfest in Lausanne, das noch bis Sonntag läuft, häufen sich die Beschwerden rund um die Verpflegung. Besonders rund ums altehrwürdige Pontaise-Stadion ist die Lage angespannt – von sportlichem Durchhaltewillen ist bei vielen inzwischen auch abseits der Wettkampfstätten die Rede. Denn: Wer etwas zu essen ergattern will, braucht Glück – oder starke Nerven.

Ein Stand für Tausende

Wie Turnerinnen und Turner gegenüber Blick bestätigen, war bereits am Eröffnungstag, am Donnerstag, gegen Nachmittag kaum mehr ein Sandwich zu bekommen. Der Grund: Gerade einmal ein Verpflegungsstand war für den gesamten Bereich rund um die Pontaise zuständig. Und das bei Tausenden von Aktiven und Zuschauenden. Am Freitag und auch am Samstagmorgen wiederholte sich das Trauerspiel – erneut war früh am Tag das komplette Sandwich-Sortiment ausverkauft. Turner berichten, dass sie in ihrer Not die nahegelegene Tankstelle leer gekauft haben.

Tankstelle macht grosses Geschäft

«Es war wie ein Heuschreckenschwarm», beschreiben Turner aus Solothurn die Szene gegenüber Blick. Gemeinsam mit anderen Athleten und Athletinnen hat sich die Gruppe auf den Weg zur Tankstelle vis-à-vis des Stadions gemacht. «Wir hatten Hunger. Und im Stadion gab’s einfach nichts mehr.» Die Tankstelle selbst bestätigt auf Anfrage: Der Andrang sei massiv gewesen, Kühlschränke und Regale seien mehrfach leergekauft worden. «So etwas haben wir noch nie erlebt», sagt die Verkäuferin vor Ort. Immerhin: Getränke seien im Stadion stets ausreichend verfügbar gewesen.

Verbandspräsident: «Kein Problem – noch»

Offiziell klingt es hingegen weniger dramatisch. Fabio Corti (63), Zentralpräsident des Eidgenössischen Turnverbands, erklärte am Samstag gegenüber «Schweiz aktuell»: «Diese Woche ist kein Problem wegen den freiwilligen Helfern, aber nächste Woche suchen wir noch Leute.» Eine Aussage, die für Stirnrunzeln sorgt – denn laut mehreren Turnerinnen und Turnern ist das Fehlen von Helferinnen und Helfern bereits jetzt spürbar.

SRF berichtete bereits im Vorfeld des Turnfests von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung der rund 5000 benötigten freiwilligen Helferinnen und Helfer. Noch einen Monat vor dem Festbeginn waren erst rund 60 bis 70 Prozent gefunden. Inzwischen scheint klar: Die Lücken sind nicht gänzlich geschlossen worden – zumindest nicht überall.

Auch Technik-Pannen bremsen den Ablauf

Zusätzlich zum Verpflegungschaos sorgt auch die Organisation einzelner Wettkämpfe für Kopfschütteln. Wie Blick erfahren hat, kam es bei den Laufdisziplinen zu erheblichen Verzögerungen, weil die Lichtschranken offenbar nicht korrekt oder zu spät kontrolliert wurden. Die mangelhafte technische Vorbereitung führte dazu, dass sich der Zeitplan massiv verschob – ganze Wettkampfgruppen mussten stundenlang auf ihren Start warten, was den gesamten Tagesablauf durcheinanderbrachte.

Auf anderen Plätzen läufts rund

Während es in und um die Pontaise rumorte, berichten Teilnehmende von anderen Wettkampfstätten von reibungslosem Ablauf und guter Organisation. Auch die Infrastruktur, das Rahmenprogramm und die Stimmung seien vielerorts top. Und wie sich zeigt, wurde auch auf der Pontaise reagiert: Ein Augenschein von Blick am Sonntag im Stadion zeigt, dass bei der Verpflegung nachgebessert wurde.

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Cup-Sensation Biel verliert die Architekten des Erfolgs

Präsident und Sportchef gehen – 3. Juni 2025

Zwei Tage nach dem historischen Cup-Final sorgt der FC Biel für nächste Schlagzeilen – dieses Mal abseits des Rasens. Die komplette Führungscrew zieht sich per Ende Juni 2025 zurück, wie der Promotion-League-Klub am Dienstag mitteilt.

Besonders schwer wiegt der Abschied zweier Männer, die den Verein nach dem Konkurs 2016 fast im Alleingang wieder aufgebaut haben: Präsident Dietmar Faes (62) und Sportchef Mauro Ierep (50). Als Biel am Boden lag, war Faes zur Stelle. Ohne Geld, ohne Perspektive – und, wie er selbst sagt: «Wir hatten nicht einmal Geld für Trikots».

Neun Jahre später ist aus der Ruine ein gesunder, ambitionierter Klub geworden. Faes hat den Verein nicht nur gerettet, er hat ihm eine neue Identität gegeben. Mit ruhiger Hand, strategischem Geschick und einem unerschütterlichen Glauben an den Standort Biel. Auch Ierep (Sport- und Finanzchef) hatte grossen Anteil daran, dass der FC Biel dort ist, wo er heute steht. Er hat den Spagat zwischen sportlichem Erfolg und finanzieller Konsolidierung geschafft.

Wer übernimmt?

Ein enger Mitstreiter war auch Oliver Zesiger (43). Mit einem Auge für Talente, cleveren Transfers und einem klaren Plan trug er entscheidend zur Entwicklung des Teams bei. Unter seiner Leitung wurde aus Biel eine hungrige, konkurrenzfähige Mannschaft, die sogar bis in den Cupfinal stürmte. Zesiger wird neuer Scout beim FC Lugano. Seinen Job im Seeland übernimmt Youness Id Mohamd, welcher in der Vergangenheit schon mit Biel-Trainer Samir Chaibeddra zusammenarbeitete.

Auch Veronica Maglia (35, Leiterin Frauenabteilung) tritt zurück. Der neue Verwaltungsratspräsident wird Nik Liechti, ein Bieler Architekt mit Klubnähe. Unterstützt wird er von Thibault Bürki (35), Unternehmer, Hauptsponsor – und ehemaliger FCB-Junior. Über die Nachfolge von Dietmar Faes als Vereinspräsident wird anlässlich der nächsten Vereinsversammlung entschieden, teilt der Klub mit.

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Der starke Wind in der Todeszone zwang Egloff zum Abbruch

Schweizer über gescheitertes Everest-Abenteuer – 24. Mai 2025 mit Nele Bachmann

Er kämpfte sich auf fast 7000 Meter über Meer – doch dann war Schluss. Karl Egloff (44), der Schweizer Extrembergsteiger, ist für seinen Rekordversuch am Mount Everest nicht bis ganz nach oben gekommen. Doch von einem Fehlschlag spricht hier keiner. Im Gegenteil: Der erfahrene Alpinist hat bewiesen, dass ihn nicht Ehrgeiz, sondern Verantwortung und Respekt gegenüber dem höchsten Berg der Welt antreiben.

Am späten Freitagabend nepalesischer Zeit startete Egloff vom Basislager auf 5364 Metern. Ziel: rauf zum Gipfel auf 8848 Meter – und wieder zurück. Ohne zusätzlichen Sauerstoff, ohne fremde Hilfe, nur mithilfe der Fixseile. Und das Ganze in unter 20 Stunden. Eine Bestmarke, die ihn in die Geschichtsbücher des Extremsports katapultiert hätte. Doch es kam anders.

«Der Gipfel, der Rekord – alles unwichtig, wenn der Berg nicht will»

Im Gespräch mit Blick wird schnell klar: Egloff ist kein Draufgänger. Er ist ein Mann mit Prinzipien, mit einem untrüglichen Gespür für die gefährliche Balance zwischen Risiko und Vernunft. «Die Saison am Everest war unheimlich schwierig, und perfekte Bedingungen gab es nie», sagt er nüchtern. Gescheitert? «Dieses Gefühl habe ich nicht.»

Dabei hätte alles so gut gepasst. Wochenlang bereitete sich der 44-Jährige akribisch auf den Aufstieg vor, stand körperlich und mental bereit. Doch die Natur liess sich nicht kontrollieren. Bereits beim Start war klar: Das Wetter ist unbeständig, der Wind zu stark. Egloff wagte es trotzdem – mit Bauchgefühl und Erfahrung als Kompass.

Die Entscheidung zur Umkehr traf er kurz vor Camp 3 – auf rund 6900 Metern Höhe. «Schon seit Tagen war die Wetterprognose sehr negativ. Viel zu viel Wind», erklärt er. «Ich bin schon skeptisch gestartet. Es gab eine Chance auf ein kurzes Fenster – aber je höher ich kam, desto klarer wurde mir: Das ist heute nicht mein Tag.» Und dann traf er die Entscheidung, die ihm am meisten abverlangte – aber zugleich seine Grösse als Bergsteiger zeigt. Er drehte um.

Egloff stieg zurück ins zweite Camp. «Es wäre verrückt gewesen, im Wind der Todeszone zu bleiben», schildert er den Abbruch. Was für ihn auch zählt: Er ist wohlauf, kann zu seiner Familie zurückkehren. Er sei zufrieden, sagt Egloff. «Sehr sogar.» Klar, eine Enttäuschung sei da. «Man hätte es sich anders vorgestellt.» Aber letztlich zählt etwas anderes: «Der Berg wollte nicht – und dann ist das auch okay.»

«Die Berge gehen nicht weg»

Einen zweiten Versuch? Dieses Jahr wohl kaum. «Zurzeit habe ich es nicht vor», sagt er. «Es ist sehr viel Aufwand – aber vielleicht eines Tages.»

An der Motivation mangelt es ihm nicht. Auch nicht an Mut. Aber Egloff weiss, dass Mut nicht bedeutet, blind weiterzugehen. Sondern manchmal auch, rechtzeitig umzudrehen. «Es ist eine Gratwanderung, welches Risiko man eingehen muss – und welches man nicht eingehen darf.»

Und nein – seine Entscheidung wäre nicht anders ausgefallen, selbst wenn er keine Familie hätte, die in der Schweiz auf ihn wartet. «Die Berge gehen nirgends hin. Wir können es immer wieder versuchen.»

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«Das war die beste Entscheidung überhaupt»

Egloff meldet sich nach gescheitertem Versuch am Everest – 23. Mai 2025 mit Nele Bachmann

Zwei Extremsportler nehmen diese Woche den ultimativen Everest-Rekord ins Visier: Der Schweizer Karl Egloff sowie der Amerikaner Tyler Andrews wollen den höchsten Berg der Welt in unter 20 Stunden bezwingen – rauf und runter, ganz ohne Sauerstoff. Es ist ein Zweikampf, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat.

Doch mittlerweile ist klar: Der Rekordtraum ist geplatzt. Egloff gibt auf.

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Wilde Kabinenparty! Biel steht nach Cup-Sensation kopf

Sensation gegen YB – 27. April 2025

Was für eine Nacht, was für ein Spektakel in der pumpenvollen Tissot Arena. 6000 Zuschauer – darunter auch eine beeindruckende Anzahl an lautstarken YB-Fans – sorgen für eine brodelnde Atmosphäre, wie sie Biel seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Extra aufgestellte Zusatztribünen, Fahnenmeer und ohrenbetäubender Lärm: Das Stadion ist von der ersten Minute an elektrisiert. Und am Ende dieser magischen Cupnacht steht ein sensationeller Sieg des FC Biel gegen den grossen BSC Young Boys – ein historischer Einzug in den Final!

Mit diesem Coup schreibt der FC Biel Schweizer Fussballgeschichte: Zum ersten Mal überhaupt zieht ein Klub aus der dritthöchsten Liga in den Final des Schweizer Cups ein – und das zum 100-jährigen Jubiläum des prestigeträchtigen Wettbewerbs.

Held zwischen den Pfosten

Einmal mehr ist es Raphael Radtke (23), der sich in den Bieler Herzen verewigt. Nach seinen Heldentaten im Cup-Viertelfinal gegen Lugano zeigt der Goalie erneut eine starke Leistung und pariert unzählige Schüsse der Berner. Im Interview ringt er nach Worten. «Irgendwie ist es nicht so wie gegen Lugano. Es ist weniger emotional», erklärt Radtke und lächelt. «Letztes Mal hatte ich Tränen in den Augen, doch jetzt ist es einfach nur Freude. Ich bin unglaublich stolz auf dieses Team, auf die Stadt.»

Auch an Trainer Samir Chaibeddra (35) richtet Radtke lobende Worte: «Der Trainer hat uns sensationell auf diesen Cup-Fight vorbereitet. Wir konnten uns wirklich voll auf das fokussieren.» Und trotz aller Euphorie mahnt er zur Bodenständigkeit: «Es geht jetzt in die heisse Phase, wir müssen jetzt Spiel für Spiel nehmen und gut weiterarbeiten, es geht um den Aufstieg. Das ist unser Ziel.»

Kelvin – der unerschütterliche Turm

In der Innenverteidigung dominiert Vizecaptain Damian Kelvin (22). Er räumt alles ab, was sich nähert, wirft sich in jeden Zweikampf und ist der ruhende Pol in einer wilden Partie.

«Es war ein hartes Spiel für uns. Nach 30 Minuten habe ich gedacht, wir sind schon kaputt», gibt Kelvin mit einem Zwinkern zu. «Wir waren bereit, zu leiden.» Zu den kleinen Provokationen gegenüber den YB-Fans meint er: «Das gehört ein wenig dazu. Ich hatte einfach Spass am Fussball.»

Ein Berner Bub im Glücksrausch

Omer Dzonlagic (29), der überragende Techniker im Bieler Spiel, kann sein Glück kaum fassen. «Heute war es unglaublich, ich muss das alles Revue passieren lassen. Schwer zu realisieren», gesteht er direkt nach dem Schlusspfiff. Besonders in Erinnerung wird ihm auch der durch den VAR aberkannte YB-Treffer bleiben. «Was heute sicher auch entscheidend war, ist der VAR, der uns auch ein wenig geholfen hat – aber das gehört eben dazu. Das war eine physische Masterclass von uns.»

Feiern bis in die Morgenstunden

In der Kabine der Bieler explodiert die Stimmung. Bierduschen, Gesänge, wildes Tanzen: Die Jungs lassen alles raus. Brian Beyer (28) tanzt mit einer fetzigen Sonnenbrille auf der Nase durch die Gänge und bringt mit seinen Tanzeinlagen die ganze Mannschaft zum Lachen. An vorderster Front beim Feiern: Yann Massombo (25), Abdoulaye Coulibaly (23) und Freddy Mveng (32) – eine eingeschworene Einheit.

Danach gibts im Stadion Pizza für die ganze Mannschaft. Spieler, Staff und Freunde des Vereins geniessen den Erfolg in familiärer Atmosphäre bis tief in die Nacht hinein.

Eine Stadt im Ausnahmezustand

Parallel zur Spielerparty verwandelt sich auch die Stadt in ein Tollhaus. Autos hupen, Fans strömen in die Strassen, überall wird gefeiert und gesungen. Der FC Biel hat nicht nur einen Fussballgiganten bezwungen, sondern auch die Herzen einer ganzen Stadt erobert.

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YB ist der Robin Hood der Super League

Darum sind die Berner nicht Leader – 6. April 2025 mit Pascal Ruckstuhl

Nur ein 1:1 gegen Yverdon am Samstagabend und man fragt sich, wie viele Punkte YB hätte, wenn es gegen die «Kleinen» der Liga nicht so viele verschenken würde.

Mit 34 Zählern ist der aktuelle Schweizer Meister das beste Heimteam der Liga, vier Punkte vor Lugano. Doch ausgerechnet gegen die Abstiegskandidaten patzen die Berner in dieser Saison zu Hause immer wieder. Und verschenkten somit leichtfertig eine viel bessere Ausgangslage im Hinblick auf die bevorstehende Meisterrunde. 

Fassnachts Worte passen noch immer

Führt man sich nebst der Heimbilanz auch noch die Auswärtsspiele gegen die Abstiegskandidaten vor Augen, wird YBs Schwäche gegen die Kleinen noch stärker sichtbar. Aus den Partien gegen Sion, Yverdon, GC und Winterthur – die vier Letzten der Super League – haben die Berner von möglichen 36 Punkten 13 geholt. Kurz: YB ist quasi der Robin Hood der Liga. Es klaut die Punkte von den Reichen – den Top 6 – und gibt sie den Armen. 

Ein Umstand, der schon vor der Rückrunde zu denken gegeben hat. Oder zumindest Rückkehrer Christian Fassnacht. Der sagte im exklusiven Blick-Interview in Anbetracht einer möglichen Titel-Aufholjagd: «Gegen Sion haben wir in zwei Spielen keinen einzigen Punkt geholt. Das darf man sich als YB nicht leisten.»

Und auch wenn Trainer Giorgio Contini nach dem Yverdon-Spiel sagt: «Es gibt keine Kleinen. Sonst würden die mit zehn oder 15 Punkten hinten liegen, was sie aber nicht tun», hat Fassnacht mit seiner Aussage natürlich recht: Will YB Meister werden, sind solche Siege absolute Pflicht. Nach dem 1:1 gegen Yverdon sagt er: «Ich wünschte, ich hätte eine Erklärung dafür. Wenn wir gewinnen, schliessen wir punktemässig an die Spitze auf. Aber ich kann es nicht sagen.»

«Ziel war immer die Top 6»

Auch Teamkollege und Captain Loris Benito ist ratlos: «An was das liegt, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel», sagt er. Benito streicht aber auch das Positive raus. Immerhin ist YB aufgrund der ebenfalls patzenden Konkurrenz noch voll auf Kurs und das formstärkste Team in der Rückrunde. Benito: «Unser Ziel war immer, in die Top 6 zu kommen. Und dann wollen wir da möglichst angreifen.»

Gut für YB: Die letzten zwei Spiele finden gegen Luzern und Zürich statt, zwei Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte. Und in der praktisch fixen Meisterrunde warten dann sowieso nur noch grosse Gegner, gegen die man weitaus weniger Mühe hat als gegen die Kleinen.

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«Wir kommen da alle nur gemeinsam raus»

Lugano verliert zum vierten Mal im fünften Spiel – 30. März 2025

Ununterbrochen rennen die Luganesi am Samstagabend auf das Servette-Tor zu. Doch ein ums andere Mal scheitern sie am überragenden Genfer Goalie Joël Mall (33). Ganze 16 Mal feuert der FC Lugano in Richtung des Servette-Kastens – aber kein Schuss landet im Netz. So verlieren die Tessiner den Spitzenkampf mit 0:2. Eine bittere Niederlage für Lugano.

Mall ist nach dem Spiel nicht ganz einverstanden mit der Behauptung, dass Servette eigentlich das unterlegene Team war: «Das ist eine heisse These», schmunzelt er. «Wir waren reif und haben das souverän nach Hause geschaukelt und sind natürlich überglücklich, die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen.» Zufrieden läuft er davon und herzt seine Familie, die im Stadion ist.

Anders ist die Gefühlslage bei Lugano. Klar. Aus den letzten fünf Spielen holte das Team von Trainer Mattia Croci-Torti (42) nur drei Punkte. In der Tabelle wird die Luft dünner. Der Sturz in die Abstiegsrunde droht. 

Eiskaltes Servette

Im windigen Cornaredo zeigen sich gegen Servette altbekannte Probleme beim FC Lugano: defensive Aussetzer und die fehlende Effizienz. Antonios Papadopoulos (25) weiss, was den Unterschied ausmachte: «Servette hat einfach die Qualität, eiskalt Tore zu erzielen.» Papadopoulos fordert nun Zusammenhalt: «Wir kommen da alle nur gemeinsam raus. Es wäre wichtig gewesen, heute zu gewinnen.» Stattdessen stehen die Tessiner einmal mehr mit leeren Händen da – und der Druck nimmt zu.

Und das Restprogramm? Das ist happig. Bereits am Dienstag gehts für Lugano weiter. Dann steigt das Spiel gegen Yverdon (20.30 Uhr). Danach folgt die schwierige Partie in Basel. Die beiden letzten Gegner vor dem Cut heissen St. Gallen (zu Hause) und Lausanne. 

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YB-Youngster bejubelt Torpremiere, aber keiner feiert mit

Was steckt hinter der kuriosen Szene? – 1. März 2025

Es läuft die 59. Minute im Cup-Thriller zwischen dem FCZ und YB. Die Gäste liegen mit 1:2 zurück und suchen in Überzahl verzweifelt nach einer Lücke. Dann kommt die Gelegenheit.

Joël Monteiro (25) flankt den Ball scharf und flach von links in den Strafraum. An Freund und Feind vorbei rutscht der Ball durch den Strafraum und landet plötzlich vor den Füssen von Zachary Athekame (20). Dieser hämmert den Ball mit einem perfekten Direktschuss über den Kopf von FCZ-Keeper Brecher (31) hinweg ins Netz.

Kein Jubel trotz Tor

Athekame hebt die Arme, sichtlich erfreut, und läuft Richtung Eckfahne. Es wirkt, als ob er für einen Moment auf das grosse Feiern wartet. Doch es kommt keiner. Ein müder Handshake von Mitspieler Alan Virginius (22) – mehr nicht. Keine Jubel-Traube um ihn herum, keine Umarmungen, kein Freudentaumel. Der Ausgleich ist nur ein Schritt auf dem Weg zum Sieg, wie Captain Loris Benito (33) erklärt: «Das Team steht über dem einzelnen Spieler. Natürlich freuen wir uns für ihn, aber der Sieg steht im Vordergrund.»

Nach einem kurzen Blick in die Runde senkt Athekame den Kopf, dreht sich um und rennt zurück in die eigene Hälfte. Sein erstes Tor für YB – und doch bleibt er in diesem Moment allein. Ein bittersüsser Moment für den jungen Verteidiger. Sein Premierentreffer in Gelb-Schwarz, ein Tor, das YB zurück ins Spiel bringt – doch ohne Applaus von seinen Teamkollegen.

Nach Abpfiff kümmert ihn das kaum: «Ich bin sehr glücklich über das Tor. Ich habe lange auf diesen Moment gewartet, und jetzt in einem solchen Spiel zu treffen, bedeutet mir sehr viel.» Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, dass niemand mit ihm feiert, lacht der Westschweizer und ergänzt: «Wir wollten unbedingt noch den Siegtreffer erzielen, daher bin ich dem Team nicht böse.»

Der Aufgang eines neuen Sterns?

Der Genfer mit nigerianischen Wurzeln durchläuft seine Jugendzeit bei Vereinen in der Region Genf. Im Dezember 2023 unterzeichnet Athekame einen Vertrag bis 2028 beim amtierenden Meister, bleibt aber bis im Sommer 2024 leihweise in Neuenburg. Nach seiner Ankunft in Bern arbeitet er sich Schritt für Schritt ins Team und sammelt wertvolle Spielpraxis – sowohl in der Super League als auch in der Champions League. Acht Einsätze auf europäischer Bühne, 18 in der Liga – diese Leistungen verhelfen ihm zu einem Aufgebot in der Schweizer U21-Nati. Und auch in diesem wegweisenden Cupspiel steht er auf dem Platz. Und dann kommt die Szene, die seinen bisherigen Weg krönt: sein erstes Tor für YB.

Athekames Tor ist der Moment, der die Wende einleitet, sodass die Berner am Ende jubeln können. Vielleicht würde er sich in einem anderen Spiel in die Arme seiner Mitspieler werfen, vielleicht würde man ihn auf Schultern tragen. Doch nicht an diesem Abend. Es bleibt ein Tor ohne Jubel, aber mit umso grösserer Bedeutung.

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«Wir haben geschwitzt und gebetet»

Biel-Trainer Chaibeddra nach der Cup-Sensation – 27. Februar 2025 mit Martin Arn

Minute 92. Lugano wirft alles nach vorne. Die letzte Flanke segelt in den Bieler Strafraum. Ein Pfostenschuss, Chaos im Fünfmeterraum – doch dann ist da einer: Raphael Radtke (22). Mit einer Reflexaktion kratzt er den Ball irgendwie noch von der Linie. Der junge Torhüter wächst über sich hinaus und beweist: Im Cup ist alles möglich! Die letzten Sekunden ticken, bis Malko Sartoretti (20) durchbricht und das 2:0 erzielt. Die Tissot Arena explodiert! Spieler stürmen jubelnd über den Platz, Trainer und Ersatzbank rennen aufs Feld. Biel steht Kopf!

Ein Torhüter, der zur Wand wird

Der FC Biel schlägt den Super-League-Titelkandidaten und zieht sensationell in den Cup-Halbfinal ein. Ein magischer Abend, an den sich die Stadt noch lange erinnern wird. Und Lugano? Planlos, ideenlos. Kein Tempo, kein Konzept. Als Favorit angereist, taumelt der Spitzenklub durch die Partie, findet kein Mittel gegen die leidenschaftlichen Bieler. Dagegen ein Team, das von Beginn an mutig, furchtlos und mit voller Überzeugung spielt. Ein Team, das an sich glaubt. Ein Torhüter, der zur Wand wird. «Wir haben gezeigt, dass im Cup alles möglich ist!», sagt Radtke, noch immer voller Adrenalin. «Das Jubiläum beflügelt uns. Wir möchten der Schweiz zum 100-Jährigen einen guten Unterklassigen präsentieren!»

Trainingsfrei am nächsten Tag? Egal. Feiern? Keine Zeit. «Ich gehe am Donnerstag wieder in die Uni und versuche, dort den heutigen Abend zu verarbeiten. Ich bin auch nur ein normaler Mensch», lacht er. Doch bevor er weiterreden kann, zieht ihn der Medienchef zum Fernseherinterview. Ungläubig schaut er sich um. Plötzlich kennt ihn jeder.

Erster Drittligist seit 26 Jahren

Auch Trainer Samir Chaibeddra (35) kämpft mit den Emotionen. Seine Stimme zittert, als er nach Worten sucht. «Wir haben geschwitzt und gebetet», sagt er schliesslich, während seine kleine Tochter jubelnd um ihn herumtanzt. Tränen schimmern in seinen Augen. Ein Moment, den so schnell niemand vergessen wird. Die Nerven flatterten, als Lugano in der Schlussphase mit Renato Steffen (33) und Mattia Zanotti (22) seine Stars brachte. «Für mich sind das zwei Weltklassespieler, die immer den Unterschied machen können», gibt Chaibeddra zu. Doch an diesem Abend war Radtke der Star.

Die Nacht in Biel wird lang – der Favoritensturz elektrisiert die ganze Stadt. Und was jetzt? Biel träumt weiter. Der Cup-Halbfinal wartet – und vielleicht auch eine neue Sensation. Es ist das erste Mal seit 26 Jahren, dass ein Verein aus der dritthöchsten Spielklasse dieses Wunder schafft. Für Biel ist es jedoch nicht der grösste Erfolg im Cup: 1960/61 gelang dem Klub bereits der Finaleinzug gegen den FC La Chaux-de-Fonds, den man jedoch mit 0:1 verlor. Ist das nun ein weiteres Kapitel in der Geschichte? Vielleicht. Aber eines, das noch nicht zu Ende geschrieben ist.

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«Wir hatten nicht einmal Geld für Trikots»

FC Biel nach Zwangsabstieg 2015 zurück im Schaufenster – 26. Februar 2025

Im Seeland war der Schock gross, als der FC Biel vor zehn Jahren aufgrund eines Zwangsabstiegs den Profifussball verlassen musste. Eine Mannschaft ohne Zukunft, ein Verein am Boden. Doch heute sieht die Lage ganz anders aus: Biel ist auf dem besten Weg, wieder in die Challenge League zurückzukehren. Mit Core Sports Capital, geführt vom ehemaligen Assistenten des Ex-Fifa-Präsidenten Sepp Blatter, Ahmet Schaefer (42), hat der Klub einen neuen Investor, der das Projekt nachhaltig unterstützen will. Und als i-Tüpfelchen der Saison steht nun ein grosses Highlight an: Im Cup-Viertelfinal trifft Biel auf Lugano, einen potenziellen Meisterkandidaten.

Neues Konzept: Biel als Ausbildungsverein

Seit einigen Jahren verfolgt der FC Biel eine klare Strategie: Der Klub soll sich als Ausbildungsverein etablieren und von den Synergien mit den anderen Vereinen im Netzwerk von Core Sports Capital profitieren. Der neue Investor besitzt bereits die zweitklassigen Klubs Clermont Foot in Frankreich und Austria Lustenau in Österreich. Das Ziel ist es, Talente zwischen den Vereinen auszutauschen und gemeinsam Know-how zu nutzen.

Sportkoordinator Oliver Zesiger (42) betont: «Wir haben aus der Vergangenheit gelernt und gehen Schritt für Schritt. Das ist ein langfristiges Projekt.» Der Verein investiert verstärkt in die Ausbildung junger Spieler und schafft eine nachhaltige Basis für künftigen Erfolg.

Der Aufstieg als grosses Ziel

Biel spielt eine starke Saison in der Promotion League und belegt aktuell den zweiten Platz. Der Aufstieg in die Challenge League ist das erklärte Ziel. «Nach dem Zwangsabstieg hatten wir nichts. Keine Mannschaft, keinen Staff, ja nicht einmal Geld für Trikots», erinnert sich Präsident Dietmar Faes (64). Heute ist Biel jedoch wieder auf Kurs und hat sich auch wieder eine treue Fanbasis aufgebaut. Die gute Infrastruktur ist nicht nur für den Verein, sondern auch für die Spieler attraktiv. «Der Cup ist ein Zückerli, der Fokus liegt aber klar auf dem Aufstieg in die Challenge League», stellt Zesiger klar. Biel will sich langfristig in der zweithöchsten Liga etablieren, finanziell solide bleiben und nicht erneut in ein Chaos wie in der Vergangenheit stürzen.

«Wir hoffen auf ein Fussballfest und möchten dem Grossen ein Bein stellen», sagt Präsident Faes voller Vorfreude auf das Duell mit dem Cupsieger von 2022. «Das ist eine tolle Möglichkeit, sich zu präsentieren.» Egal wie das Spiel endet: Die Reise des FC Biel zurück auf die grosse Bühne ist noch lange nicht vorbei.

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Angelica Moser ist keine Zeitsoldatin mehr

30’000 Franken Lohn fallen weg – 28. Februar 2025

Sie ist die erfolgreichste Schweizer Stabhochspringerin der Leichtathletik-Geschichte. Zuletzt holte Angelica Moser (27) trotz Fussproblemen bei der Hallen-SM in St. Gallen Schwung für die EM und WM im März. Neben dem Sport war die Zürcherin bisher beim Militär angestellt – diese Zeit ist nun vorbei.

Moser absolvierte die Sportler-RS, wo sie Eigenschaften wie Disziplin, Ordnung und Durchhaltevermögen weiter schärfte. Auch nach dem RS-Abschluss blieb sie der Armee treu und war als Zeitangestellte tätig.

Die Armee vergibt als Spitzensportförderung für jeden Olympia-Zyklus Stellen für Athletinnen und Athleten mit Potenzial für internationale Spitzenplätze. «Nun bin ich wieder zurück im normalen WK-System», sagt Moser am Rande der Hallen-SM in St. Gallen zu Blick. Darin lassen sich gewisse Trainingsblöcke im Militär absolvieren.

Aus der Leichtathletik rückt 800-Meter-Talent nach

Für Moser hatte das Zeitmilitär viele Vorteile – unter anderem die kostenlose Nutzung der Trainingszentren in Magglingen und ein willkommener Jahresverdienst von 30’000 Franken. Doch seit Ende Januar ist damit Schluss: Für den neuen Olympia-Zyklus bis Los Angeles 2028 hat aus der Leichtathletik das Aargauer 800-Meter-Talent Valentina Rosamilia (22) eine Zeitmilitär-Stelle erhalten.

Mit dem EM-Titel in Rom und Rang 4 an den Olympischen Spielen hat Moser mehr als abgeliefert. Doch wie kam sie vor vier Jahren in die Kränze für den begehrten Armee-Job? Die Andelfingerin musste eine Zeichnung anfertigen, die ihren weiteren Lebensweg darstellt. «Meine Strichmännchenzeichnung hat wahrscheinlich niemanden beeindruckt», erzählt sie mit einem Grinsen. Sie führt weiter hinzu, dass neben ihrem «Kunstwerk» vor allem ihr Potenzial und ihre bisherigen Erfolge eine Rolle spielten, weshalb man sich für sie entschied.

Neuer Sponsor dank Odermatt-Management

Bei den Schweizer Meisterschaften präsentierte sich Moser erneut in einer eigenen Klasse. Doch wie gehts mit ihr finanziell weiter? Neben dem Zeitmilitärverdienst könnten ihr auch die 12’000 Franken von der Stiftung Sporthilfe – die hauptsächlich dem Nachwuchs zusteht – wegbrechen. Der Entscheid ist noch nicht gefallen. «Ich habe ein wirklich gutes letztes Jahr gehabt, dann verdienst du auch gut. Doch das kann ja auch wieder anders sein», grübelt Moser. Echte Sorgen muss sich Moser jedoch kaum machen. Sportlich spricht nichts dagegen, dass sie bei den grossen Events 2025 nicht erneut vorne mitmischt.

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Rad-Legende Ullrich redet offen über den tiefen Fall

«Ich habe die Liebe zu mir verloren» – 21. Februar 2025

Eine exklusive Adresse in der Zürcher Innenstadt: Hier tritt Jan Ullrich bei einem Event des Velobekleidungsherstellers Q36.5 auf. Die deutsche Radsportlegende ist neuer Botschafter der Marke aus Südtirol, die durch das Hauptsponsoring des Schweizer Profiradteams, finanziert vom südafrikanisch-schweizerischen Milliardär Ivan Glasenberg (68), eine enge Verbindung zur Schweiz hat.

Der Zürcher Flagship-Store ist proppenvoll, als Ullrich und die neue Kollektion präsentiert werden. Auf einer Treppe mitten im Laden wird Ullrich vorgestellt, er unterhält die Gäste mit der Anekdote, dass er noch nie einen Wadenkrampf hatte. Er gibt sich nahbar, zeigt sich gut gelaunt und spricht mit einem Glas Wasser in der Hand über vergangene Zeiten – stets mit einem Lächeln im Gesicht. Heute, mit 51 Jahren, sitzt er immer noch häufig auf dem Fahrrad, besonders auf Mallorca (Sp), das ihm ans Herz gewachsen ist. Er organisiert Radevents für Familien und ambitionierte Hobbyfahrer, die den Profiradsport hautnah erleben möchten, und hält nebenbei Motivations-Talks.

Danach geht es ins Obergeschoss. Vor dem Schuhregal nimmt sich Ullrich Zeit für Blick und weitere Medien. Der Deutsche ist wieder mitten im Leben. Regelmässig besucht er seinen Freund Lance Armstrong (53) in Texas und gemeinsam schwelgen sie in Erinnerung an die alten Zeiten.

Doch seine dunkle Vergangenheit mit Doping, Drogen und Alkohol begleitet ihn weiterhin. In Zürich spricht er offen über dieses schwierige Kapitel seines Lebens – immer an seiner Seite: Sein treuer Freund Mike Baldinger (49), der im Hintergrund darauf achtet, welche Fragen dem einstigen Tour-de-France-Sieger gestellt werden.

«Heute verstehe ich, dass ich das alles so durchmachen musste»

Während er, von den Medien umringt, spricht, spürt man, welche Tiefen das einstige Wunderkind durchschritten hat. Die harte Kritik hat ihm zugesetzt. «Ich habe die Liebe zu mir verloren», erklärt Ullrich seine Drogen- und Alkoholexzesse. «Ich war lange in meiner eigenen Blase aus Selbstmitleid gefangen.» Besonders der plötzliche Liebesentzug der Fans habe ihn geprägt – einst als junger Held gefeiert, dann als Verräter geächtet. Doch nach all den Jahren kann er reflektiert zurückblicken: «Deutschland ist hart mit seinen Sporthelden, aber es kann auch verzeihen.» Spätestens seit der Veröffentlichung der Dokumentation über sein Leben weiss jeder Bescheid – und Ullrich musste sich der Wahrheit stellen.

Kein Alkohol, keine Drogen mehr

Heute ist er clean und steht mit beiden Beinen im Leben. Viel Zeit verbringt er mit seinen Kindern, von denen zwei in seine sportlichen Fussstapfen treten möchten. Wie zu seinen Profizeiten setzt er sich Monat für Monat Etappenziele: «Ich versuche immer, eine bessere Version von mir zu werden.» Umgeben von guten Freunden und einem unterstützenden Umfeld fühlt er sich wohl und hat den Spass an solchen Events wiedergefunden. «Früher waren das Pflichtveranstaltungen, heute mache ich es gerne und geniesse es», schliesst er das Interview ab. Auch nach dem Event bleibt Jan Ullrich lange vor Ort, plaudert mit Fans, Journalisten und Gästen, posiert für Fotos und gibt Autogramme – fast wie in alten Zeiten. Es ist ruhiger um ihn geworden, und genau das scheint er zu schätzen.

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ZSC-Captain Geering – der letzte noch aktive Held von 2009

«Man merkt, dass man alt wird» – 18. Februar 2025

Am Dienstagabend können die ZSC Lions zu den Königen Europas werden. Im Champions-League-Final geht es gegen den schwedischen Spitzenklub Färjestad. Da werden Erinnerungen ans Jahr 2009 wach. Am 28. Januar schrieben die Zürcher damals Schweizer Eishockeygeschichte. In der damals neu gegründeten Champions League schlugen die Lions den russischen Spitzenklub Metallurg Magnitogorsk im unvergesslichen, entscheidenden Finalspiel mit 5:0. Patrick Geering (35) war damals schon dabei – als 18-jähriger Rookie. Sein jetziger Teamkollege, das Sturm-Juwel Vinzenz Rohrer (20), ist da gerade mal vier Jahre alt.

«Es war eine verrückte erste Saison, die ich damals erleben durfte», erinnert sich Geering. In der Tat: In seinem ersten Profijahr stand das Eigengewächs in 54 Spielen für die erste Mannschaft auf dem Eis. Doch nicht alles lief reibungslos. Beim ersten Champions-League-Auswärtsspiel gegen Linköping wurde er krank und verschlief das Spiel im schwedischen Hotelzimmer. Spät in der Nacht sah er dann auf seinem Handy, dass die Teamkollegen mit 7:2 gewonnen haben – der Glaube an die Sensation war entfacht.

Eine Reise ins Ungewisse

Auf der Reise zum grossen Triumph ist bei Geering vor allem das Final-Hinspiel auswärts in Magnitogorsk prägend in Erinnerung geblieben: «Draussen war es brutal kalt, aber die Fans im Stadion waren total hockeyverrückt.» Magnitogorsk, eine 400’000-Einwohner-Stadt unweit der kasachischen Grenze, war nicht einfach zu erreichen. Mangels geeigneter Linienflüge reisten die Zürcher mit einem Charter ins ferne Russland. Vor 7’700 lautstarken Zuschauern trat Zürich als klarer Aussenseiter gegen den dreifachen russischen Meister an. Der Club um die Starspieler Jan Marek (†31, kam 2011 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben) und Jaroslav Kudrna (49) galt als haushoher Favorit – doch die ZSC Lions hielten mehr als nur dagegen und nahmen ein 2:2-Remis mit.

Da das Hallenstadion damals besetzt war, mussten die Lions für das Rückspiel nach Rapperswil-Jona ausweichen – eine Entscheidung, die nicht bei allen auf Begeisterung stiess. Doch genau dieser unvergessliche 5:0-Erfolg zum Titelgewinn markierte einen Wendepunkt: «Der Sieg war der Startschuss dafür, dass wir endlich eine eigene Halle bekamen und nicht mehr ins Exil müssen.» Seit der Eröffnung der Swiss Life Arena im Oktober 2022 haben die ZSC Lions endlich eine eigene Heimstätte.

Allen Zweifeln zum Trotz

In der Schweiz hatte kaum jemand einen solchen Exploit der Zürcher auf der Rechnung gehabt. «In den Medien wurde mehr über den SC Bern berichtet, als über uns», erklärt Geering. Doch das Team liess sich davon nicht beirren. «Unser Motto war: Warum nicht?» Diese Einstellung wurde zur treibenden Kraft auf dem Weg zum historischen Sieg.

Darauf angesprochen, dass er der einzige noch aktive Spieler von damals ist, schmunzelt der Routinier und meint: «Man merkt, dass man älter wird.» Es ist eine bemerkenswerte Karriere, die mit einem Triumph begann, der in die Annalen des Schweizer Eishockeys einging und Patrick Geering bis heute auch vier Meistertitel, drei WM-Turniere und die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang beschert hat. Vielleicht kommt am Dienstag im Heim-Final gegen Färjestad ja der zweite persönliche Champions-League-Triumph dazu.

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«Wir hatten die perfekte Work-Life-Balance»

Adi Wichser blickt auf CHL-Triumph 2009 zurück – 16. Februar 2025 mit Marcel Allemann

Das Paddy O’Brien’s Old Irish Pub in Winterthur. Hier hängt die Goldmedaille, die sich Adi Wichser (44) am 28. Januar 2009 nach der unvergesslichen 5:0-Gala der ZSC Lions im entscheidenden Finalspiel gegen Magnitogorsk umhängen liess. Damals, in der alten Champions League, in der auch noch die russischen Topteams dabei waren. Und in einem Zeitalter, in dem WM-Silbermedaillen der Nati noch ins Reich der Träume gehörten, was diesen Triumph noch sensationeller machte.

Wichser war eine der Schlüsselfiguren der Zürcher und gemeinsam mit seinem kanadischen Teamkollegen Jean-Guy Trudel mit 13 Punkten der Topskorer der Champions-League-Saison. «Es war wie bei Asterix – wir gegen die Römer. Der Favorit war in jedem Spiel ohnehin der Gegner, doch wir waren in einem Flow, spielten so unbeschwert auf und waren für die Gegner dadurch schwer auszurechnen», erinnert sich Wichser zurück.

Stellenwert wird ihm erst Jahre später bewusst

Es habe sich ein riesiger Kitt im Team entwickelt, auch neben dem Eis. Nach den Siegen im entscheidenden Gruppenspiel auswärts gegen Slavia Prag oder im Halbfinal in Helsinki gegen Espoo habe man dies genossen und gefeiert, «und da waren stets alle dabei, auch jene, die eigentlich gar keine Lust auf ein Bier hatten», erzählt der Winterthurer und sagt mit einem Schmunzeln: «Wir hatten die perfekte Work-Life-Balance – aber es war auch eine andere Zeit.»

Eine Zeit, in der die ZSC-Spieler nicht gross nachdachten, sondern sich von der Erfolgswelle treiben liessen. «Als wir Magnitogorsk im Final dann tatsächlich besiegt hatten, war keinem so richtig bewusst, was wir erreicht haben. Mir persönlich wurde der ganze Stellenwert erst einige Jahre später klar.» Und so bezeichnet Wichser, der auch zweimal Meister wurde (je einmal mit Lugano und dem ZSC), an fünf WM-Turnieren und den Olympischen Spielen 2006 gespielt hat, jene Champions-League-Reise heute als sein «Karriere-Highlight».

Und wieso ist die Goldmedaille seines grössten Triumphs zusammen mit weiteren Utensilien wie seinem Schlittschuh aus dem ZSC-Meisterjahr nun in einem Pub ausgestellt? «Der Besitzer Max Kühni war mein erster Hockeytrainer in Winterthur, und wir hatten dadurch immer eine spezielle Verbindung. Während meiner Karriere wurde das Pub dann zu meinem Rückzugsort, einer Art Wohnzimmer, wo man mich in Ruhe liess», erklärt Wichser.

Der Kreis schliesst sich in Winterthur

Mit Winterthur in der Swiss League liess Wichser auch seine Karriere ausklingen, ehe er mit 38 abtrat. «Als ich mit 17 ging, habe ich gesagt, dass ich irgendwann wieder hier spielen werde. Dass sich dieser Kreis dann tatsächlich geschlossen hat, ist speziell und schön für mich.» Seit seinem Rücktritt 2018 ist der frühere Stürmerstar bei seinem Stammklub Juniorentrainer und seit 2023 zudem auch Assistenzcoach der 1. Mannschaft. «Diesen Spagat zu haben, gefällt mir, und es macht mir grosse Freude dabei mitzuhelfen, die Jungen weiterzuentwickeln.»

Wer weiss, vielleicht hilft Adi Wichser gerade einem zukünftigen Champions-League-Helden auf die Sprünge. Doch zuerst ist am Dienstag die aktuelle ZSC-Generation gegen Färjestad am Zug.

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«Meine Frau wollte, dass ich nicht mehr boxe»

Die «Kobra» Arnold Gjergaj erklärt Blitz-Rücktritt – 7. Februar 2025

Damit hat niemand gerechnet: Obwohl Arnold Gjergjaj (40) letztes Jahr einen seiner grössten Kämpfe angekündigte, ist jetzt plötzlich Schluss. Am Mittwoch erklärte «The Cobra» in Basel, was hinter seinem unerwarteten Rücktritt steckt: «Meine Frau wollte, dass ich nicht mehr boxe.»

Die Diskussion begann Ende letzten Jahres, als Gjergjaj eigentlich in Heidelberg (De) um einen Europameistertitel kämpfen wollte. Doch eine Ellbogenverletzung liess den Kampf platzen. Für seine Frau Marta war klar: Dies sollte das Ende seiner Karriere bedeuten.

Doch der Vater eines Sohnes konnte sich nicht damit abfinden. Er wollte weitermachen – zumindest noch für diesen einen letzten Fight. «Meine Frau wollte nicht, dass ich weitermache, und hat sich an meinen Bruder gewandt.» Daraufhin setzten sich alle Beteiligten an einen Tisch. Nach langen Gesprächen fiel die Entscheidung gemeinsam. Neben der Verletzung spielte auch sein Alter eine Rolle. Und – worüber Gjergjaj während der Karriere nie redete: Er kämpfte wiederholt mit Herzproblemen.

Trotz Debakel – Haye-Kampf als Highlight

Damit endet eine der bemerkenswertesten Schwergewichtskarrieren der Schweiz. Da seine Eltern in den Kosovo zurückgekehrt waren, mussten Arnold Gjergjaj und seine Schwester früh auf eigenen Beinen stehen. Der Sport war sein Rettungsanker, bewahrte ihn davor, auf die schiefe Bahn zu geraten. «Es war hart. Boxen in der Schweiz war kein grosses Thema und stand nicht in der Öffentlichkeit.» Doch er gab nicht auf, trainierte unermüdlich und kämpfte sich an die nationale Spitze.

Rückblickend ist Gjergjaj dankbar für alles, was er im Kampfsport erleben durfte. Sein Highlight? Der Kampf 2016 in London gegen David Haye (44). Dort unterlag er zwar deutlich, doch allein vor 16’000 Fans in einem solchen Ring zu stehen, war ein Meilenstein, schildert er.

Jetzt will er Jugendliche vor Problemen bewahren

Gjergjaj gehört zu den ganz Grossen der Schweizer Boxszene. Ein Schweizer EBU-Europameister und WBF-Weltmeister im Schwergewicht – das hatte es zuvor noch nie gegeben. Doch jetzt beisst die Kobra nicht mehr zu.

Untätig wird er nicht bleiben. Sein Wissen und seine Erfahrung gibt er an die nächste Generation weiter. Im Boxklub trainiert er junge Talente, gleichzeitig setzt er sich mehr denn je für Jugendliche mit Problemen im Alltag ein.

Das macht er gemeinsam mit einem Pfarrer. «Junge Leute brauchen einen Antrieb und müssen gefordert werden, sonst kommen sie auf dumme Gedanken.» Er spricht mit leidenschaftlicher Stimme – es ist deutlich zu spüren, wie viel ihm dieses Projekt bedeutet.

Auch abseits des Rings hat Gjergjaj genug zu tun: Als Tankstellenbesitzer und Motivationscoach bleibt er beschäftigt und freut sich auf dieses neue Kapitel seines Lebens. Dass es keinen grossen Abschiedskampf geben wird, ist für ihn keine grosse Sache. Er hat die von seiner Frau erhoffte Entscheidung akzeptiert – und blickt nach vorne.

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